Sollte man nicht lieber anstelle des Sexualunterrichts wieder den Moralunterricht setzen? Wie wäre es, wenn man die männlichen Jugendlichen wieder lehren würde, die Frau mit Ehrfurcht zu behandeln, und die weiblichen Jugendlichen, stolz auf ihre Zukunft als Mutter zu sein? ... Es wäre ein langer Weg zurück von der schamlosen Zurschaustellung der Frau auf dem Jahrmarkt der Gelüste, vom sexuellen Vagabundentum des Mannes, von der schrankenlosen Sexualität der Gesellschaft. Aber es wäre ein Weg, der sich lohnen würde. Die Frau könnte endlich wieder jenen Platz einnehmen, der ihr von der Schöpfung vorbestimmt war: Trägerin der kommenden Generation, Garantin des Fortbestehens des Menschengeschlechts, die es verdient, daß man sie achtet, sie verehrt, sie auf Händen trägt.

August Graf Kageneck in der „Welt“ vom 17. Oktober

Die Welt. Die Zeitung von heute.

Eigenwerbung „Die Welt“

Grüß Gott, Herr Papst

Das letzte Mal, als GOttes Atem schwächer ging, wurde es draußen auf einmal ganz apokalyptisch: „Der Furhang im Tempel zureis in zwey stück/von oben an/bis vnten aus. Vnd die Erde erbebete/vnd die Felsen zurissen/Vnd die Greber theten sich auff“, wie es beim Evangelisten Matthäus heißt, wenn er (mit Luther) deutsch spricht. Kaum sind zweitausend Jahre seit den sieben letzten Worten am Kreuz vergangen, passiert bei einer neuen Offenbarung des Johannes –: nichts. Kein Erdbeben, keine Sonnenfinsternis. Nur ein heftiger Regenschauer ging nieder. Und doch hatte sich im „Mittagsmagazin“ des ZDF, von urbi & orbi weitgehend unbemerkt, ein Sternstündlein der Menschheit ereignet: GOttes Statthalter auf dem weiten Erdenrund, genannt Johannes Paul II., gab sein erstes Fernsehinterview in deutscher Sprache. Zur späten Mittagsstunde war’s, daß der Reporter Kaltefleiter, Demut im Blick, Kummer im Herzen, aber Mikro fest in der Faust, den göttlichen Handlungsreisenden danach fragen durfte, wie ihm denn der kleine Ausflug nach St. Domingo gefallen habe. Dort hatte der große Fernsehprediger der Landnahme im Zeichen des Kreuzes unter Kolumbus vor 500 Jahren gedacht. O, ach, „berührt“ zeigte sich der eilige Vater von seiner Begegnung mit den Kindern der Sklaven. Fleißig las er diese Rührung ab vom Blatt, die Kamera liebkoste die sorgengefurchte Stirn, als er dazu aufforderte, der „Vorsehung“ dafür zu danken, daß sich Kolumbus und dessen Nachfolgern die Neue Welt just in dem Moment auftat, als die Alte in die „Kirchenspaltung“ trudelte. Ob Seine Heiligkeit denn auch von jenem Armenpriester gehört hätten, der ketzerisch sich weigerte, an den Jubiläumsfeierlichkeiten teilzunehmen? Ja schon, aber, äh, die Leute brauchen wir nicht, „die sollen mit den Armen bleiben“. Kein Grab tat sich auf, den Wanderprediger zu verschlingen. Herzlich bedankte sich der ministrierende Reporter beim großen Missionar, wünschte ihm gute Gesundheit, versäumte es aber (soviel Platz muß auch im engen Flugzeug sein), dem Stellvertreter GOttes den heiligmäßigen Ring zu küssen. GOtt, wie peinlich! Ein Engel schwebte durch den Raum und noch einer. Sie waren aber nicht nachtragend, Seine Heiligkeit, sondern verabschiedeten den braven Reporter mit einem kräftigen Händedruck und einem gutaufgelegten „Grüß Gott!“ Dochdoch, hat er wirklich so auf deutsch gesagt, und wir können behaupten, wir seien bei der Offenbarung von soviel Heiligem Geist dabei gewesen.

Zehenlutschen und so

Als der Galan der Herzogin von York dabei erwischt, will sagen photographiert wurde, da hielten wir es für die Marotte eines texanischen Geschäftsmannes. Daß nun auch Madonna sich beim nämlichen Akt für ihr Buch „Sex“, was sonst, photographieren ließ, läßt uns erkennen, daß wir drauf und dran waren, einen Trend zu verpassen: Zehenlutschen. Bei der Party zur Premiere des Madonna-Buches (Auflage 750 000) im New Yorker Greenwich Village gab es, in natura, natürlich auch noch den klassischen Sex zu sehen: Zwei Männer, die von der Decke hingen und einander peitschten; ein Mädchen in einer Badewanne voller Popcorn; Paare, die schlicht ineinandersteckten oder so taten. Lauter Gewohnheitssex, den wir hinter uns lassen werden, um die Erotik der primären Fortbewegungsorgane zu entdecken.