Abgekürzt

Endlich haben wir die „BRD“ wieder! Nicht einmal das Bundesinnenministerium hegt nach dem Fall der DDR noch Bedenken; es hat seinen Beamten die Verwendung der Abkürzung freigestellt. Abwechslungsreich war das Schicksal dieser tintesparenden Erfindung eines CDU-Politikers der fünfziger Jahre: Für die Gänsefüßchen-DDR war sie eine „Demonstration des Bonner Alleinvertretungsanspruchs“. Die ostdeutschen Schulen mußten darum das Kürzel „DBR“ verwenden: „Deutsche Bundesrepublik“, ein Teil Deutschlands. Erst später, als Honecker in den siebziger Jahren die „friedliche Koexistenz“ erfand und Parteiobere offiziell „Beerrdeeh“ sächselten, geriet das Kürzel „BRD“ im Westen auf den Index – als Kampfausdruck der Kommunisten. Nun gibt es keinen Kommunisten mehr, die Abulä (sprich: Altbundesländer) werden ohnehin von Sachsen aus den Nebulä (sprich: Neubundesländern) unterwandert, nun dürfen wir alle wieder die BuRep-Deu bei ihrem atemsparenden Namen nennen. Trotzdem sollte man dabei auf den Dialekt achten.

Aufgelistet

Die CSU ist eine fortschrittliche Partei, die Speerspitze der Neuerung, sozusagen. Deshalb rufen auch die Münchener Christsozialen per Anzeige in der Boulevardzeitung tz zum Kampf gegen „die ewig Gestrigen“ auf. Da gibt es doch in Bayerns Hauptstadt tatsächlich Reaktionäre, die „haben immer noch nicht begriffen, daß das Asylrecht im Grundgesetz geändert werden muß“; sie haben sich sogar erfrecht, gegen die Asylrechts-Resolution der CSU-Landtagsfraktion zu stimmen. Damit die Münchener wissen, wer da nicht mit der neuen Zeit ziehen möchte, präsentieren ihnen die Christlich-Sozialen die Namen der elf Ewiggestrigen, von Dr. Dorle Baumann (SPD) bis Dr. Gerhard Zech (FDP): „Ist Ihr Volksvertreter dabei? Dann sollten Sie sich das merken: Bis zur nächsten Wahl.“ Hier ist die Liste der Feinde, avanti popolo! Die CSU München weiß eben, an die Spitze welcher Bewegung man sich heutzutage zu stellen hat.

Ausgezeichnet

Zum achten Mal wurden in der vergangenen Woche die Publizistik-Preise der Stadt Klagenfurt vergeben. Zu den Preisträgern gehören neben Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Rudolf Chimelli von der Süddeutschen Zeitung auch zwei ZEIT-Autoren. Christoph Dieckmann, Berliner Korrespondent unseres Blattes, erhielt die Auszeichnung für seine Reportage über das Neonazi-Verfahren von Eberswalde („Die ganzen Neger in der Stadt“). Rüdiger Dilloo, Mitarbeiter des ZEITmagazins, wurde für seine Serie „Hausmanns Dilemma“ prämiert.