Adam Smith begründete die klassische Nationalökonomie. Er wird immer noch als doktrinärer Vertreter des Laisser-faire mißverstandenEigenliebe tut gut

Von Heinz D. Kurz

„Wir erwarten uns unser Abendmahl nicht von der Wohltätigkeit des Fleischers, Brauers oder Bäckers, sondern von deren Bedacht auf ihre eigenen Interessen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschlichkeit, sondern an ihre Eigenliebe.“

Adam Smith

Adam Smith wurde 1723 im schottischen Kirkcaldy bei Edinburgh geboren; das genaue Datum ist ungewiß. Der Vater, von Beruf Anwalt, starb vor der Geburt seines Sohnes. So entwickelte sich zwischen Mutter und Sohn eine besonders innige und zeitlebens ungebrochene Beziehung. Smith blieb unverheiratet.

Er studierte an der Universität Glasgow bei einem der führenden Vertreter der schottischen Aufklärung, dem Moralphilosophen Francis Hutcheson, später an der ihn wegen ihrer geistigen Enge enttäuschenden Universität Oxford. Im Jahr 1750 wurde er Professor für Logik an der Universität Glasgow, 1752 wechselte er auf den früheren Lehrstuhl Hutchesons. Im Jahr 1759 veröffentlichte er sein erstes großes Werk, die „Theorie der ethischen Gefühle“. Das Buch verschaffte ihm in kurzer Zeit hohes Ansehen. Im Kern geht es Smith dabei um die alte Frage nach der menschlichen Natur und ihrer Eignung für ein Leben in Gesellschaft. Nach Smith bedarf es keiner mächtigen Instanz, die mit eiserner Faust die Leidenschaften des Menschen im Zaum hält. Eine gütige Vorsehung habe dafür gesorgt, daß er seinen Affekten im allgemeinen selbst Schranken setzt: „Für wie selbstsüchtig man den Menschen auch halten mag, in seiner Natur finden sich offenbar Züge, die ihm das Geschick anderer angelegen sein lassen.“

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Der englische Philosoph Thomas Hobbes hatte noch spekuliert, daß ohne einen „Leviathan“, König der Kinder des Stolzes und sterblicher Gott, ohne die unbegrenzte Macht eines Souveräns, der Rückfall in den Kampf aller gegen alle unausweichlich sei. Eine Fehleinschätzung, sagt Smith: „Beseitigt man alle Systeme der Begünstigung und Beschränkung, so stellt sich von selbst das klare und einfache System der natürlichen Freiheit ein. Solange der einzelne nicht gegen die Gesetze der Gerechtigkeit verstößt, läßt man ihm völlige Freiheit, sein Interesse in der ihm genehmen Weise zu verfolgen.“ Ohne es zu beabsichtigen oder zu wissen, verfolge er so – wie von „unsichtbarer Hand“ gelenkt – das Gesamtinteresse der Gesellschaft.

Der Stiefvater des jungen Herzogs von Buccleuch war von Smith so beeindruckt, daß er diesem die gutdotierte Position eines Privatlehrers anbot. 1764 trat Smith mit seinem Zögling eine über zwei Jahre dauernde Frankreichreise an. Er traf die Aufklärer Voltaire, Diderot, d’Alembert, Holbach und Helvetius und hielt engen Kontakt zu den führenden Köpfen der physiokratischen Schule der Ökonomie, allen voran François Quesnay, Arzt am Hof des Königs, und Anne Robert Jacques Turgot, dem späteren Finanzminister Ludwigs XVI.

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