Die Gabelbieger sind zurückgekehrt. Knapp zwanzig Jahre ist es her, da Uri Geller, Charmeur und Filou, im Fernsehen Besteck bog und behauptete, er könne dies vermöge übersinnlicher Fähigkeiten. „Uri Geller verbiegt ganz Deutschland“, fürchtete die Bild-Zeitung. So kam es dann doch nicht, und weder Uri Geller noch sonst jemand holte in der Redaktionskasse der ZEIT die 100 000 Mark ab, die demjenigen winkten, der als erster ohne physikalische oder chemische Einwirkungen einen materiellen Gegenstand „deutlich sichtbar und wiederholt“ bewegen oder umformen könnte. Und irgendwann war Uri Geller vergessen.

Nun geht sein Geist wieder um. In der Serie „Phantastische Phänomene“ (Sat 1) geben Geistheiler, Hellseher und Wünschelrutenläufer ihre Weisheiten zum besten, es fliegen die Ufos und biegen sich die Löffel (und Balken). In der Serie „Unerklärte Geheimnisse“ (Rtl) fahren Tote Taxi, in der Serie „Psi“ (drittes Fernsehprogramm des Bayerischen Rundfunks) werden Kontakte ins Jenseits angebahnt, in „Einspruch“ (Sat 1) tritt zur Freude des Oberufologen Johannes von Buttlar ein wiedergeborener Außerirdischer auf.

Der esoterische Zirkus hat seine Lachnummern, bietet aber dennoch wenig Anlaß zur Freude. Der Fernsehspuk kommt nämlich als Wahrheit und Wissenschaft daher und könnte unheilvollen Ideologien die Tür öffnen. Etwa dem Wahn, wir alle würden perfekt manipuliert: von Ufos, TV-Hypnotiseuren, Satanisten, Geheimdiensten oder, was nicht fehlen darf, von Wissenschaftlern, die das Volk belügen. Böses und Fremdartiges hat die Kontrolle übernommen. Ein manichäisches Weltbild, das nicht unbekannt ist in Deutschland.

Eine andere Predigt lautet: Unser Schicksal sind die Strahlen; Die heißen dann Erdstrahlen und Energiestrahlen, oder es muß tatsächlich nachweisbare Strahlung für jedwedes Widrige herhalten, gegenwärtig sind Rundfunksender (sie erreichen dich überall!) mächtig en vogue. Das Vertrackte ist nun, daß wir in der Tat durch Strahlungen oder Gifte in Gefahr geraten können – wie aber soll der Laie lernen, sich nicht paranoid zu verhalten, wenn zur besten Sendezeit so ziemlich alles, was des Menschen verwirrbarer Geist ausdenken kann, für möglich oder gar für real verkauft wird?

Nicht immer hilft die Entenregel: Was schnattert, watschelt und aussieht wie eine Ente, das ist. auch eine. Manch komplizierte Wissenschaft klingt abwegig, simpler Humbug wirkt plausibel. Um so wichtiger wäre es, wenn sich endlich mehr Wissenschaftler dazu aufraffen könnten, den Obskurantismus öffentlich zu entlarven – und zwar nicht doktrinär, sondern mit ihrer schärfsten Waffe: der methodenstrengen Skepsis. Wer Aufsehenerregendes behauptet, dessen Daten und Schlußfolgerungen gehören in die Feuerprobe der wissenschaftlichen Kritik. In den USA haben sich auch prominente Forscher nicht gescheut, Rand- und Pseudowissenschaften nach Kräften abzuklopfen; bei uns wagt dies nur ein Fähnlein Aufrechter, in erster Linie ein kleiner Verein namens Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften.

Und dürfen wir noch hoffen, daß sich in den Sendeanstalten verantwortungsbewußte Redaktionen finden, die den Unsinn sorgfältig auseinanderpflücken, gleichfalls zur besten Sendezeit? Es reicht jedenfalls nicht, in gedankenloser Ausgewogenheit neben jeden Spinner einen Alibiforscher zu plazieren, der dann brav versucht, das Gesagte aus dem Handgelenk zu widerlegen. Schwindler haben immer einen Vorsprung, denn Flunkern ist allemal leichter als Entlarven.

Gero von Randow