Im Mai 1989 erschien er zum erstenmal in der ZEIT. Als Tänzer, mit Strohhut und Stöckchen, Fred Astaire und Charlie Chaplin zugleich – Dr. Rabe. Schillernd wie seine Verkleidungen blieb seine Identität. Nur eins war sicher: Er hatte eine feine Nase, respektive einen langen Schnabel, für das leicht zu Übersehende, das Versteckte, Verlorene, das, was zwischen die Kategorien fiel. Mit grazilem Schwung verwies er auf Kataloge, Leporellos, Ausstellungen, Anthologien, Gedichtbände, die kleinen Bücher, die die Großen neugierig machen sollten. Anfangs blieb er selbst so klein, daß sich für seine Geheimtips überall ein Plätzchen fand. Dann aber – von seiner Rabenmutter Uschi Kolarz immer exquisiter und opulenter ausgestattet – widersetzte er sich förmlich der Verkleinerung, so daß es manchem Herrn vom Layout fast das Herz brach, ihn auf Nischengröße schrumpfen zu sehen. Dr. Rabe – man ahnt es schon lange (die Vergangenheitsform!) – verabschiedet sich. Nach demokratischem Brauch räumt er seinen Platz, zieht sich ins Buchleben zurück, avanciert zur Romanfigur. Läßt es sich aber nicht nehmen – wie so viele emeritierte Professoren, Politiker und Großkritiker –, sich zu besonderen Gelegenheiten ins Bild zu setzen, dort, wo er den Platz bekommt, der ihm gebührt. Die ZEIT dankt und freut sich auf eine Wiederkehr in neuem Kleide. K.H.