Hamburg will das Betäubungsmittelgesetz ändern Notfalls Heroin verschreiben!

Von Henning Voscherau

HAMBURG - Im vergangenen Jahr sind 2096 Abhängige in Deutschland unter der Einwirkung von Drogen gestorben, alle nach einem schrecklichen Leidensweg, auch für ihre Freunde und Familien. Begleiterscheinungen auf diesem Wege: Störung der öffentlichen Sicherheit; gefährliche Beschaffungskriminalität; soziale und physische Verelendung der Drogenabhängigen; Aids Ausbreitung und Tod.

Die allein auf Strafverfolgung setzende Drogenpolitik ist weltweit gescheitert. Niemand kann vor den Fakten länger die Augen verschließen. Wer gegen eine neue, realitätsbezogene Drogenpolitik argumentiert, muß deshalb die Frage beantworten, wie er die gegenwärtige Situation verantworten kann!

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Überall in Deutschland geben Länder und Kommunen erhebliche finanzielle Mittel für Soforthilfen, Therapien, Beratung und Aufklärung aus. Aber das ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Es ist Zeit für eine andere Weichenstellung: Die jetzige Gesetzeslage schafft geradezu die VorausSetzung für Markt und Macht der Drogenkartelle, legt dem Staat Fesseln an und hindert ihn, die Opfer aus dem Griff von Illegalität und Verbrechen zu befreien.

Deswegen hat Hamburg eine Drogeninitiative gestartet. Es geht dabei nicht um Legalisierung von Heroin, sondern um Medizinalisierung der Therapie. Sucht ist Krankheit. Es muß Medizinern und Drogenhilfe Personal ohne strafrechtliches Risiko möglich sein, im Einzelfall diejenige Therapie anzuwenden, die sie für geboten halten notfalls auch die Verschreibung und Anwendung von Heroin.

So kann in der individuellen „Drogenkarriere" realistisch geholfen werden, und die Chancen des Ausstiegs und des Überlebens können steigen.

Angesichts der politischen Widerstände gegen diese Einsicht geht es in inserer Bundesratsinitiative konkret um einen befristeten Modellversuch für einen eingegrenzten Personenkreis langfristig Drogenabhängiger. Die wissenschaftliche Auswertung des Versuchs wird zur Versadilichung der Kontroverse beitragen.

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