Von Nikolaus Piper

„Wenn wir über Details hinwegsehen, können wir sagen, daß jedes heute geborene Baby ein menschliches Leben weniger in der Zukunft bedeutet. Aber auch jeder Cadillac, der irgendwann einmal produziert wird, bedeutet weniger Leben in der Zukunft.“

Nicholas Georgescu-Roegen

Die Wirtschaft ist, wie alle wissen, ein Kreislauf. Arbeit und Kapital, Geld und Güter zirkulieren zwischen Unternehmen und Haushalten, wobei normalerweise alle immer reicher werden. Auf dem Kreislaufmodell fußt die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Konjunkturforschung und das meiste, was Laien über Nationalökonomie gelernt haben.

Aber ist die Wirtschaft wirklich ein Kreislauf? Gibt es nicht versiegende Ölquellen, erschöpfte Rohstofflager, Umweltverschmutzung und wachsende Müllberge? Offensichtlich verschwindet im Zuge des Wirtschaftskreislaufs etwas Wertvolles, nämlich Rohstoffe, und der Müll, etwas Wertloses, nimmt zu. Zumindest aus Sicht der Natur ist der Kreislauf also gar keiner.

Tatsächlich liegt im Kreislaufmodell die „Erbsünde der modernen Nationalökonomie“, sagt Nicholas Georgescu-Roegen, ein 87jähriger emeritierter Wirtschaftsprofessor aus Nashville im amerikanischen Bundesstaat Tennessee. Das Modell verführe zu dem lebensgefährlichen Trugschluß, die Wirtschaft könne sich selbst erhalten – so als habe das Raumschiff Erde keine Grenzen. Zwar habe noch kein Ökonom behauptet, so spottet Georgescu-Roegen, daß man aus Möbeln wieder Bäume machen könne; ihre Modelle legten diesen Schluß jedoch nahe.

Georgescu-Roegen entwickelte in seiner Auseinandersetzung mit der physikalischen Seite des Wirtschaftens eine Fundamentalkritik der Ökonomie, die selbst radikale Umweltschützer erschreckt. Außerhalb der Fachwelt ist er fast unbekannt, viele seiner Kollegen allerdings glauben, er werde „das Weltbild des 21. Jahrhunderts mehr beeinflussen als alle bisherigen Nobelpreisträger“ (so der Wiener Professor Egon Matzner).