CUXHAVEN. – Michael Bertram ist Vermittler, „Mediator“ auf neudeutsch. Er vermittelt zur Zeit zwischen niedersächsischem Umweltministerium und Kommunalpolitikern in Sachen Schlickdeponie. Den Standort für den giftigen Schlamm aus dem Hamburger Hafen hat seine Auftraggeberin, Ministerin Monika Griefahn, schon grob ausgeguckt: In Frage kommen die Landkreise Cuxhaven, Stade, Lüneburg oder Harburg.

Wie aber vermittelt man Kommunalpolitikern die Notwendigkeit einer Lagerstatt für den Hamburger Hafenschlick? Darauf spezialisiert sind die beiden Mediationsfirmen iku (Institut Kommunikation und Umweltplanung Dortmund) und prognos aus Basel, deren Mitarbeiter laut Eigenwerbung über „Erfahrungen in der Vermittlung bei Umweltkonflikten“ verfügen und die für 300 000 Mark Honorar die Arbeit aufnehmen. Hamburg zahlt. iku-Angestellter Bertram beginnt mit dem Job. Er reist nach Cuxhaven, beispielsweise zum Umweltausschuß des Kreistages.

Seine Überzeugungsarbeit beginnt mit Schaubildern. Von Identifizierung spricht der Mann fürs Didaktische, von der Partizipation der Bürger bei der Standortfindung: „Sie sollen mitbestimmen, welche Aspekte bedeutsam sind.“ Und alle Pfeile auf seinen Folien deuten auf Konsens.

Käme nicht eine einvernehmliche Regelung zwischen Gemeinden und Landesregierung viel harmonischer als gleich der Hammer eines Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahrens mit den üblichen Klagen und Gerichtsbeschlüssen? So fragt Bertram die Versammlung. Besonders die rot-grünen Vertreter sehen die Vorteile. Aber der Umweltausschuß des Kreistages verpaßt dann doch seine Chance, erstmals in Deutschland auf harmonische Weise Giftmüll einzukaufen. Zunächst müßten Experten prüfen, ob es nicht alternative Möglichkeiten für die Hanseaten gäbe, etwa den Sonderabfall zu verbrennen oder sonstwie zu reduzieren.

Eine brisante Masse

Daß die Lagerung des Baggergutes „mit Umweltbelastungen verbunden“ ist, geben die Mediatoren zu. Tatsächlich ist der Schlick eine brisante, entwässerte Masse, die mit Arsen, Nickel, Quecksilber und Blei sowie DDT und Dioxinen angereichert ist. Alljährlich soll die stolze Menge von 200 000 Kubikmeter Schlamm von den Niedersachsen untergebracht werden – so bestimmt es die Vereinbarung zwischen Niedersachsens rotgrüner Koalition und den Hamburgern. Bei möglichen Verwehungen von der Deponie aus sieht der Mediziner Klaus-Gerrit Gerdts aus Neuhaus-Oste schon jetzt „eine Dioxin-Schleuder, die nicht zu verantworten ist“, und empfiehlt Familien mit Kindern den Umzug. Woraufhin ihn der Mediator zu einem persönlichen Gespräch aufsucht.

Neben diesen vertraulichen Kontakten sind Michael Bertram und sein Kollege Frank Claus auch bei Kommunalpolitikern vermittelnd tätig. Das für den Schlick zuständige Hamburger Amt für Strom und Hafenbau führt 110 Gemeindevertreter zum „Schlickhügel“ Hamburg-Francop. Wäldchen und Wiesen könnten einst auf der Anhöhe entstehen, schlägt ein Hamburger Beamter vor, aber der Vision einer „extensiven Parkanlage“ auf einer Deponie vermögen die Versammelten nicht so recht zu folgen.