Befreiung

Borma Major galt bislang als Muster einer konservativen Politikerfrau: ganz den beruflichen Interessen des Mannes untergeordnet, aktiv um Wohltätigkeit bemüht, selbstlos im Dienst der Familie. Kurz: Kinder, Küche, Kirche.

Doch auf einmal gibt sich die Gattin des britischen Premiers aufmüpfig. Der Politzirkus mit den langweiligen Cocktailparties, den faden Kanapees und dem nichtssagenden Small talk steht ihr bis zum Hals. Sie ist es leid, daß ihr Parteimanager in Make-up und Frisur hineinpfuschen und die Massenpresse zetert, wenn sie immer wieder ihr blaues Lieblingskostüm aus dem Schrank holt. „Eine Verschwendung von Steuergeldern“ nennt sie den Gipfeltourismus der Politikerfrauen.

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Für ihren Befreiungsschlag verdient Norma Major Respekt. Ihr geht es nicht um Macht, sondern ums beschauliche Familienleben. Mit dem neuen Frauenidol Hillary Clinton will sie gewiß nicht konkurrieren, denn die nahm sogleich das Weiße Haus in Beschlag; Frau Major dagegen weigert sich, zusammen mit John in 10 Downing Street einzuziehen. Deshalb wird der Premier von außerhalb bekocht – und geriet deswegen seinerseits ins Gerede. J.K.

 
  • Quelle DIE ZEIT, 2.4.1993 Nr. 14
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