Bahn: Bessere Ost-West-Verbindung

Mit dem neuen internationalen Fahrplan gibt es zahlreiche Veränderungen. Bundesbahn und Reichsbahn setzen besonders auf bessere Verbindungen zwischen Ost und West.

Einiges jedoch bleibt beim alten: zum Beispiel die Bahnpreise. Normaltarif, BahnCard, Spar- und Super-Spar-Angebote gelten zunächst auch noch nach dem Fahrplanwechsel. Das Relations-Preissystem für den Fernverkehr soll erst im Laufe des Jahres eingeführt werden. Das Tarifsystem, das nicht mehr den Preis für einen Kilometer, sondern die Attraktivität einer Strecke bei der Preisbildung zugrunde legt, macht der Bahn zur Zeit noch Probleme.

Ab 23. Mai fährt der ICE im Zweistundentakt auch von Berlin über Frankfurt/Main nach München. Er braucht für die rund 600 Kilometer lange Strecke bis Frankfurt knapp fünf Stunden (der IC braucht sechs), bis München achteinhalb Stunden. Wer in Fulda umsteigt, der braucht für die Fahrt von Berlin über Nürnberg nach München etwa sieben Stunden zwanzig Minuten. Da die neue ICE-Verbindung die bisherige IC-Linie Berlin-Frankfurt-Karlsruhe ersetzt, müssen Bahnreisende in Zukunft den teuren ICE-Tarif für diese Strecke bezahlen.

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Die ICE-Verbindung Hamburg-Basel wird künftig bis Karlsruhe stündlich gefahren. Jeweils zwei Züge führen weiter bis Basel und Zürich. Auch auf der Strecke Hamburg-Frankfurt/Main legt die Bahn zu: Von Montag bis Freitag fahren zwei ICE-Sprinter morgens und am späten Nachmittag nonstop in nur dreieinviertel Stunden in beiden Richtungen.

Die IC-Züge auf den Linien Berlin-Hannover-Köln und Frankfurt/Main-Leipzig sind eine halbe Stunde schneller am Ziel als bisher. Rund 35 Minuten sparen Fahrgäste auf der Strecke Saarbrücken-Dresden ein; und auf der InterRegio-Linie Köln-Hannover-Leipzig-Dresden gewinnen die Züge durch Streckensanierung und -umlegung fünfzig Minuten Zeit.

Einige bedeutsame Veränderungen gibt es auch im Fernreiseverkehr Zwischen Hamburg-Berlin-Prag verkehren in Zukunft mehr EuroGtys als bisher. Zwei EC-Züge starten ab Hamburg, zwei weitere ab Berlin – bisher fuhr auf dieser Strecke nur ein EC. Einer der Züge aus Berlin geht weiter bis Wien, ein zweiter bis nach Budapest. Auch ab Dortmund sowie Interlaken über Bern und Zürich ist Prag dann mit dem EC zu erreichen. Ganz im Zeichen der Öffnung nach Osten steht auch die Einrichtung eines zusätzlichen ECs von Berlin nach Warschau.

Von Ende Mai an fährt erstmals ein EuroCity von Münster/Westfalen über München nach Wien. Mit dem EC Patscherkofel können nun auch die Saarbrücker nach Innsbruck fahren, und mit dem EC Paganini reisen die Dortmunder nur noch nach Venedig statt wie bisher nach Bologna.

Für Flugreisende sind die beiden neuen EC-Verbindungen Stuttgart-Zürich/Flughafen interessant. Einer von ihnen erreicht Zürich jedoch erst um 20.01 Uhr. Pendler zwischen Brüssel und Berlin werden wohl auch in Zukunft lieber das Flugzeug als die Bahn nehmen, denn der neue EuroCity braucht für diese Strecke neuneinhalb Stunden. Ralf Frädtke

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  • Quelle DIE ZEIT, 16.4.1993 Nr. 16
  • Schlagworte Bahn | Bahncard | Fernverkehr | ICE | Reichsbahn | Berlin
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