Heitere Streifzüge durch die „Stadt im Herzen Europas" Auf zum Studium der Wirtschaft

Von Bernd Müllender

Doch, es gibt sie noch, Wochenenden, an denen in der Aachener Innenstadt gerade kein Flohmarkt stattfindet, kein Handwerkermarkt, kein Antikmarkt, kein Stadt- oder Winzerfest und auch kein Musikfestival. An solchen Tagen ist es, vergleichsweise, sehr ruhig, abgesehen von den zahllosen Touristen, die staunend von einem historischen oder kulturell epochalen Muß, von einem putzigen oder malerischen Fleckchen zum nächsten lustwandeln und sich wundern, daß die Filme in Camcorder und Weitwinkelkamera schon wieder voll sind.

Einem solchen Wochenende gilt unsere Aufmerksamkeit. Und wir beginnen mit Kunst zum Anfassen, mitten in der Stadt, an einem beschaulichen Ort typisch Aachener Kunst, einem der vielen Brunnen und Denkmäler. Hier am Puppenbrunnen, auf aachenerisch auch - der Rheinländer liebt den Diminutiv - Püppchenbrunnen oder Puppenbrünnchen genannt. Wie herrlich schräg man hier die bronzenen Figuren verdrehen kann. Mutter bringt Pantinen in kühne Schräghaltung und Sohnemann reißt dem Pferd lustvoll fast den Kopf ab. Im Hintergrund gibt ein Sträßenmusikant mit seiner Klampfe der harmonischen Atmosphäre den letzten akustischen Schliff „Ist es hier nicht wunderbar?" seufzt eine Frau. Ja, es ist ein Samstagmorgen, wie ihn der Verkehrsverein nicht besser malen könnte.

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Aachen: schnuckelig und heimelig, mit ein wenig lässigem, mediterranem Flair. Das Werbeamt jubiliert: „Aachen. Was für eine Stadt!" Die Besucherzahlen steigen über Durchschnitt: plus dreizehn Prozent zuletzt pro Jahr „Reizvoll, ja anmutig" sei die Stadt, bemerkte neidvoll einmal der Gefälligkeit, für gemäßigte Proportionen, die einen Zug ins heiter Behäbige verraten".

Ziehen wir heiter weiter. Nach einem Abstecher über den samstäglichen Bio Wochenmarkt gleich nebenan am Münsterplatz und Probeschnuppern in Kaiser Karls Kräutergärtlein (Rathausrückseite) wird es höchste Zeit für das Zeitungsmuseum (Pontstraße, samstags nur bis 13 Uhr geöffnet, sonntags geschlossen).

Besuche von Rathaus und Domschatzkammer sind Pflicht, auch der Dom selbst (mit Kaiser Karls wuchtigem Krönungssessel aus weißem Marmor oben im Logenrang, dem später selbst Napoleon einen gewissen Respekt erwies und sich nicht hineinsetzte, wohl aber Göring, dieser Wichtigtuer). Doch jetzt, kulturgestärkt, ist es Zeit für eine Kaffeepause. Nur wo? Der gesamte Innenstadtbereich ist - wenn es nicht regnet - ein einziges Freiluftcafe. Dazwischen bleibt gerade noch Platz für Eisdielen, Imbißbuden und Asiensnacks, für Souvenirgeschäftlein, Boutiquen und die vielen Antiquitätenläden, die beweisen, daß die belgischen Bauernhöfe der Umgebung immer noch nicht endgültig entrümpelt sind.

Man fragt sich, was die Menschen früher an Kaffeetrinkens Statt so getrieben haben. Die Antwort ist einfach: Samstags wurde in Aachen, wie anderswo auch, eingekauft. Seit eineinhalb Jahren geht das nicht mehr leicht, weil die Innenstadt welch Aufruhr anfangs des Einzelhandelsverbands! - für Autos gesperrt wurde. Die Folge ist so wohltuende Ruhe und Entspanntheit, daß jetzt schon ernsthafte Vorschläge laut werden, den historischen Stadtkern an sieben Tagen die Woche dichtzumachen. Doch das traut sich auch die „rotgrüne Gestaltungsmehrheit" im Rathaus (noch) nicht.

Das sehr pittoreske „Cafe van den Daele" (AltAachener Kaffeestuben mit belgischer Trinkkultur) am Büchel findet man stets von Touristenschwärmen überfüllt, genauso wie direkt am Rathaus den noch pittoreskeren „Postwagen" („Postwägelchen" im Volksmund und nach Renovierung ab 5. Mai wieder geöffnet), Aachens ältestes Restaurant. Es war damit Pionier einer Entwicklung, die der Stadt heute die höchste Kneipendichte Deutschlands beschert „Da kann Düsseldorf ruhig mit seiner längsten Theke werben", hatte der Mann im Fremdenverkehrsbüro am Elisenbrunnen stolz bemerkt. Schließlich: Was ist schon eine Theke gegen eine ganze Stadt?

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