Wolfgang Ebert Bush bleibt Bush
Als Präsident Bush 23 Raketen auf Bagdad abfeuern ließ, demonstrierte er damit unmißverständlich, daß er auch in seiner zweiten Amtszeit der alte Bush bleiben wird. Es ist also nichts mit der im Wahlkampf versprochenen Erneuerung seiner Politik inklusive neuer Weltordnung, derentwillen ihm viele Wähler ihre Stimme gegeben haben und damit eine zweite Chance.
Sie müssen sich jetzt durch sein Muskelspielen bitter getäuscht sehen, denn im Klartext heißt das wohl nichts anderes als: Bush wird weiterhin in Saddam Hussein seinen persönlichen Erzfeind sehen, an dem er, mit oder ohne Zustimmung der Alliierten, nach Gutdünken sein Mütchen kühlen darf.
Er wird auch weiterhin durch solche Rambo Attacken dem Image, ein Weichling zu sein, entgegenwirken wollen und sich dabei bevorzugt Staaten mit nichtweißer Bevölkerung herauspicken, denn schon allein das dunkle Aussehen dieser Menschen wirkt auf dem Bildschirm ja wie eine Bedrohung Amerikas. Er wird solche Entlastungsangriffe anordnen, wenn ihm innenpolitisch das Wasser bis zum Hals steht und er bei den Meinungsumfragen einen Tiefpunkt erreicht hat. Es zeigt sich ja schon wieder, daß er keines seiner Wahlversprechen einlösen kann, also weder das Budgetdefizit noch die Arbeitslosenzahl verringern wild.
Und so wird ihm gar nichts anderes übrigbleiben als durch außenpolitische Erfolge - sprich: militärische Schläge - von seinen Mißerfolgen abzulenken. Dsnn dann pflegen sich ja automatsch die Reihen amerikanischer Patrioten um ihren Präsidenten zu scHießen. Der hat damit ein bißchen Luft - bis zum nächsten Schlag, vielleicht im Sudan oder in Somalia, aber möglichst nicht in Bosnien.
Aus dieser Perspektive kann man es nur tief bedauern, daß dieser junge Hoffnungsträger Bill Clinton, im November nicht zum Präsidenten gewählt wurde, schien er doch durchaus das Zeug dazu zu haben, Amerika ohne Knüppelaus dem Sack Mätzchen zu neuen Ufern zu führen. Manche, die schon an Amerika zu verzweifeln schienen, sahen in ihm einen neuen Kennedy mit RedfordLook.
Nun sind wir alle um eine Hoffnung ärmer und müssen uns mit vier weiteren Jahren Bush abfinden. Der Name seines Wahlkampfgegners ist heute schon so gut wie vergessen.
- Datum 02.07.1993 - 08:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 2.7.1993 Nr. 27
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







