Das höchste Amt geht alle an

Ezen seiner Partei hinaus respektierter Berufspolitiker, der Grund zu der Annahme hatte, der Kanzler wünsche ihn sich als Bundespräsidenten. Allerdings war er Regierender Bürgermeister von Berlin und sah darin eine Aufgabe, die ihn „voll ausfüllt". Aber der amtierende Bundespräsident, Karl Carstens, kündigte überraschend an, er strebe keine zweite Amtsperiode an.

Helmut Kohl hatte Richard von Weizsäcker früh im Jahr 1983 wissen lassen, er sähe ihn gern als Bundespräsidenten. Aber dann schwankte der Kanzler. Wer würde Nachfolger in Berlin? Weizsäcker sei nicht der Kandidat der CSU, trumpfte Innenminister Fritz Zimmermann auf. Ab Herbst 1983 setzte Kohl plötzlich auf Ernst Albrecht. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kohl und seinem früheren Freund. Weizsäcker nahm ihn beim Wort. Er lasse nicht mit sich spielen, herrschte er ihn an. Und er setzte sich durch. Im Mai 1994 endet seine Amtszeit.

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Auf Helmut Schmidts öffentliche Bemerkung, er unterstütze nachdrücklich Johannes Rau und die SPD habe seit 1949 mit Gustav Heinemann nur ein einziges Mal den Präsidenten gestellt, folgte reflexartig die Reaktion der Union: Das Amt werde beschädigt, wenn vor Ende des Jahres Namen ins Spiel gebracht würden.

Das stellt die Geschichte und die gegenwärtigen Geschehnisse kühn auf den Kopf. Wie die Kontroverse zwischen Kohl und Weizsäcker gelehrt hat, behandelt der Pfälzer die Frage, wer sein Nachbar in der Villa Hammerschmidt sein soll, nun wirklich nicht als Nebensache. Für Kohl geht es um Machtverhältnisse, vor allem um seine Macht. Das ist 1993 nicht anders als 1983. Man erlebt also derzeit die Neuaufführung eines Stückes aus der alten Bundesrepublik.

Vor längerer Zeit - und dies kann als festes Datum in diesem Drama aus der alten Welt gelten ließ Helmut Kohl wissen, die CDU würde einen sozialdemokratischen Bundespräsidenten mitwählen, besonders wenn dieser Kandidat Johannes. Rau hieße. Es wurde bekannt, daß ein sozialdemokr atiscjje j; Mittelmann in dieser Sache für Kohl sondierte. Johannes Rau hat, wie seinerzeit Weizsäcker, keine Selbstbewerbung betrieben. Der beliebte, über die Grenzen seiner Partei hinaus respektierte Berufspolitiker hatte Grund zu der Annahme, der Kanzler wünsche ihn sich als Nachbarn hinter dem Zaun. Es blieb kein Geheimnis, daß auch Rau sich das ganz gut vorstellen konnte (Der andere denkbare Anwärter, Hans Jochen Vogel, winkte öffentlich ab ) Seine eigene Partei wollte Rau unterstützen. Die Mehrheit in der Bundesversammlung allerdings hat sie nicht.

Seit der ersten Vorsondierung sind viele Monate vergangen. Aus dem Kanzleramt steigt Nebel auf. Kohl und Rau müssen sich - wie damals Weizsäcker und Kohl - inzwischen häufig getroffen haben, aber nie verlautete etwas davon, der Kanzler habe das heikle Thema berührt. Die CDU trage einen Sozialdemokraten nicht mit, hieß es statt dessen. Dann: Der Kanzler würde Rau schon wollen, aber seine Partei nicht. Endlich tauchten Namen auf. Der Kanzler wünsche einen Ostdeutschen. Der Schweriner Ministerpräsident Berndt Seite gelte als sein Favorit.

Später meldete der stern stolz, Kohl denke um und könne sich den Präsidenten des Verfassungsgerichts, Roman Herzog, gut als WeizsäckerNachfolger vorstellen. Ein „Luftballon", wimmelte „das Kanzleramt" ab. Aber wer hatte ihn steigen lassen? Dieselben, die dann hineinstachen? Schließlich erklärte sich Kohl öffentlich, aber zweideutig, in der Frank- """i jahrzehntelang von den Brüdern und Schwestern im anderen Teil Deutschlands geredet. Dann kann man doch jetzt einmal bei einer solchen Wahl deutlich machen, daß sie auch personell repräsentiert sein wollen "

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