Gottes Formel

Es läßt sich nicht leugnen, daß der Fortschritt in der Forschung häufig bloß zum Weinen war. Wir können Auto fahren auf dem Mond, die Gene aller Tiefseeschnecken lesen und Krankheiten heilen, die es gar nicht gibt, aber voraussehen, was in den nächsten fünf Minuten auf der Welt geschehen wird, das können wir nicht. Es schien die Zeit schon reif, alle Hoffnung fahrenzulassen, da trat J. Richard Gott III auf den Plan. Dieser Mann ist Astrophysiker an der Princeton Universität in den USA und hat errechnet, daß die Menschheit mit hoher Wahrscheinlichkeit in 5128 Jahren ausgestorben sein wird, spätestens aber in 7 8 Millionen, daß wir die bemannte Raumfahrt noch mindestens 10 Monate betreiben werden, maximal aber 1250 Jahre, und daß die katholische Kirche zirka noch 12 26 Jahre bestehenbleibt, vielleicht aber auch 18 642.

Die Wahrscheinlichkeit dafür, daß diese Voraussagen eintreffen, beträgt jeweils 95 Prozent, und die Sache ist durchaus ernst. Gott hat seine Berechnungen unlängst im Wissenschaftsblatt Nature vorstellen dürfen.

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Die Grundidee ist einfach. Auch wenn wir über ein Phänomen rein gar nichts wissen, meint Gott, so können wir doch immer sagen, daß es wahrscheinlich nicht ganz am Anfang und nicht ganz am Ende seines Weges steht.

Konkret gesprochen, wird es sich nur mit fünf Prozent Wahrscheinlichkeit im ersten oder letzten Vierzigstel seiner Existenz aufhalten, sonst aber dazwischen. Mit ein paar flinken Handgriffen folgt daraus 1391, < t < 39 t für P = 0 95 - Gotts Postulat. Wenn man weiß, wie lange etwas bereits existiert (t ), dann errechnet sich mühelos, wie lange es noch existieren wird (t ).

Der Einschlag dieser Formel wird die Alltagswissenschaften erschüttern. Weder Managerseminare noch Restaurantführer werden auf sie verzichten können.

Je länger etwa eine Akte unbearbeitet auf einem Schreibtisch liegt, desto länger wird sie dort noch liegenbleiben. Hat sie zwanzig Minuten überstanden, so fällt es schon in den Bereich des Wahrscheinlichen, daß sie auch noch da ist, wenn der Sachbearbeiter am nächsten Tag das Büro wieder betritt. Bestätigt nicht die Praxis Gott aufs genaueste?

Die faszinierendsten Ergebnisse liefert die Methode aber dort, wo wir wirklich nichts kennen außer t ., VfOOi S id Wir bestellen zum BeispiellsfudeMiaSiiejnJLfe, staurant. Je länger wir auf die Nudeln warten, um so länger wird es dauern, bis sie kommen. Die Frage „Hat es noch Sinn auszuharren?", welche bisher als klassisch unlösbares Problem der Kundenmathematik galt (aus der Küche liegen kerne Daten vor; der Kellner liefert nur gefiltertes Material), wird durch Gotts Forschungen erstmals beantwortet.

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