Andre Müller spricht mit dem Schauspieler Bernhard Minetti Ja, nichts sonst.
Claus Peymann, mit dem Sie oft gearbeitet haben, hat Ihnen in einem Interview an dieser Stelle Größenwahn vorgeworfen.
BERNHARD MINfiTTI: Kein Problem.
Schauspieler, so Pdymann, seien oft dumm. Sie müßten am Abend der König sein, sich aber beim Probieren vom Regisseur manipulieren lassen. Dieser Zwiespalt zerreiße sie.
MINETTI: Hier muß ich den guten Pejymann insofern korrigieren, als ich, wenn wir probiierten, mehr wußte als er. Im Grunde hat er von mir gelernt, ganz bestimmt, und hat auch wunderbar reagiert. Was er größenwahnsinnig nennt, kommt aus der Irritation, die er empfindet, weil ich in der Auffassung einer Rolle, eines Stückes, ganz sicher bin und diese Sicherheit auch verteidige ikm gegenüber.
Ohne Größenwahn, sagten Sie, sei Qualität in der Kunst nicht möglich.
MINETTI: Eben. Ich meine, daß ein Schauspieler, der überzeugen will, diesen Größenwahn haben muß, dem Direktor, dem Regisseur und dem Publikum gegenüber.
Der größte Feind des Schauspielers sei sein Publikum, so Thomas Bernhard.
- Datum 02.07.1993 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 2.7.1993 Nr. 27
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