Moas und Kiwis: Neues von Neuseelands Vögeln Laufendes Federvieh

Vor rund 700 Jahren starben auf Neuseeland die Moas aus, riesige, flugunfähige Straußenvögel. Jetzt ist es einem internationalen Team von Molekularbiologen gelungen, Teile der Erbsubstanz der Moas aus Knochen und Geweberesten zu analysieren, die man bereits früher in Höhlen entdeckt hatte und die seitdem in Museumssammlungen lagerten. Nach den neuen Befunden muß nicht nur überlegt werden, ob die bisherigen Vorstellungen zur Verwandtschaft dieser Straußenvögel noch stimmen. Auch die Frage, wie die flügellosen Moas und die ebenfalls flugunfähigen Kiwis denn nach Neuseeland gelangt sind, erscheint in einem anderen Licht.

Während die Moas ausstarben, überlebten die hühnergroßen Kiwis - das Wappentier der Neuseeländer. Die nachtaktiven und waldbewohnenden Kiwis waren bisher für die nächsten Anverwandten der Moas gehalten worden. Doch dies scheint falsch zu sein. Vielmehr gibt es jetzt Hinweise dafür, daß diese beiden Vögel Neuseeland unabhängig voneinander besiedelt haben.

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Zoologen glaubten bislang, daß die bis zu fünf Meter großen Moas mit dem afrikanischen Strauß, dem südamerikanischen Nandu sowie den australischen Laufvögeln Kasuar und Emu nahe verwandt sind. Durch die Insellage waren die Riesenvögel auf Neuseeland ähnlich sicher vor feindlichen Säugetieren wie die Beuteltiere in Australien. So entwickelten sich auf Neuseeland mehr als elf verschiedene Moa Arten. Ihre Bestände verschwanden, als die Inseln von den Ureinwohnern, den Maori, besiedelt wurden. Es ist allerdings umstritten, ob die Maori die Moas ausgerottet haben oder ob die Riesenvögel bereits aus anderen Gründen auf dem absteigenden Ast waren. Alan Cooper von der Universität Wellington in Neuseeland und ein Team an der Universität von Kalifornien in Berkeley haben nun Teile der Erbsubstanz aus den Überresten von Moas mit den entsprechenden genetischen Informationen aller anderen Straußenvögel verglichen. Dabei ergab sich, daß die Kiwis weniger mit den Moas als mit den australischen und afrikanischen Straußen verwandt sind (Proceedings of the National Academy gen haben sich schon recht früh in der Evolution von den anderen Laufvögeln getrennt. Am ursprünglichsten aber haben sich zu ihrer Zeit die südamerikanischen Nandus erhalten; sie sind bereits Jahrmillionen früher von allen übrigen Straußenvögeln isoliert worden.

Doch wenn Moas und Kiwis gar nicht so nahe miteinander verwandt sind wie bislang angenommen, dann könnten die Vögel auch unabhängig voneinander die Inseln Neuseelands besiedelt haben, meinen die Wissenschaftler aus Wellington und Berkeley. Nach ihrer Auffassung haben die Ahnen der Moas wie auch die der Kiwis sogar zweimal unabhängig voneinander ihr Flugvermögen auf Neuseeland verloren. Die Moas könnten dabei eine frühe Besiedlungswelle repräsentieren, während die Kiwis erst in geologisch jüngerer Zeit aus den afrikanisch asiatischen Straußenvorfahren hervorgegangen sind.

Die Vorläufer aller Straußenvögel waren einst flugfähige Vögel, die vermutlich vor fünfzig bis sechzig Millionen Jahren gelebt haben. Bislang gingen Zoologen davon aus, daß beim Auseinanderbrechen des einstigen Superkontinents Gondwana einzelne Evolutionslinien der Straußenvögel auf den auseinanderdriftenden Kontinenten voneinander isoliert wurden; zuerst die südamerikanischen Nandus. Doch der jüngste Befund, demzufolge Kiwis und Moas keine nahen Verwandten sind, spricht nicht dafür, sämtliche Stammbaumgabelungen der Straußenfamilie auf plattentektonische Ereignisse zurückzuführen.

Kiwis sind wohl eher Spätankömmlinge auf Neuseeland, deren Vorfahren die Inseln vermutlich auf dem Luftwege erreichten. Ihr Flugvermögen verloren sie - ähnlich wie bereits zuvor die Moas - erst auf Neuseeland, weil es dort keine Bodenfeinde gab. Heute haben vom Menschen eingeschleppte Säuger, von Ratten bis zu Hunden, auch die Kiwis an den Rand des Aussterbens gebracht. Matthias Glaubrecht

 
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