Ein Türke kandidiert für die Bürgerschaft Strittiges Signal

HAMBURG- Die Sozialdemokraten wählten den, fünfzigjährigen Pplitikwissenschaftler Hakki Keskin - „ich freue mich über meinen deutschen wie über meinen türkischen Paß" - auf einen sicheren Listenplatz für die Bürgerschaftswahl am 19. September. Solche Signale war man bislang von den Grünen gewohnt. Doch dort unterlag ein kurdischer Kandidat seinen deutschen Konkurrenten.

Hakki Keskin ist umstritten. Die Kurden, auch kurdische SPD Mitglieder, werfen ihm „türkischen Lobbyismus" vor. Und viele türkische Intellektuelle in Hamburg kritisieren, daß im Bund Türkischer Einwanderer, dem Keskin vorsitzt, auch fundamentalistische Kräfte organisiert sind. Gökhan Arman Kalcek, die Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, fragt: „Wenn die SPD sogar einen Bundesvorsitzenden von der Basis bestimmen läßt, warum kann die Führung der Hamburger SPD dann noch nicht einmal alle ihre ausländischen Mitglieder befragen, wer sie demnächst im Rathaus repräsentieren soll?" Die 41jährige Frau, auch sie ein Mitglied der SPD, ärgert sich vor allem über den Widerspruch, wie wenig Unterstützung ihre Organisation von Leuten fand, die sich jetzt am „Keskin Coup" berauschen.

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Hakki Keskin wird es also schwerhaben, wenn er demnächst in die Bürgerschaft einziehen sollte. Zwar dürfte er recht schnell von Talk Show zu Talk Show weitergereicht werden; an Anlässen für kritische Kommentare zum deutsch türkischen Verhältnis fehlt es ja nicht. Ob er jedoch in diese Rolle hineinwachsen kann? Zum Beispiel antwortet er auf die Frage, was er demnächst vorhabe: „Ich will versuchen, mit dem türkischen Staatspräsidenten Demirel zu sprechen - auch über die Kurdenfrage. Warum sollten die Kurden in der Türkei in einem Referendum nicht selber entscheiden dürfen, was sie wollen: einen eigenen Staat oder Teilhabe an einer föderativen Türkei "

Für den SPD Landesvorsitzenäen Helmut Erahm wäre Keskin auch ein geeigneter Kandidat, wenn es um die Leitung eines Amtes für multikulturelle Angelegenheiten ginge. Bürgermeister Henning Voscherau hingegen antwortet reserviert auf die Frage, ob Hamburg eine Einrichtung wie Frankfurt brauche, wo man den Apo Veteranen Daniel Cohn Bendit zum „Multi Kulti Dezernenten" machte: „Wir haben in Hamburg einen Ausländerbeauftragten. Mir reicht das. Wenn meine Partei nach der Wahl eine neue Konstruktion will, dann müßte über deren Sinn und Zweck erst noch diskutiert werden Möglicherweise wird Henning Voscherau darüber mit ganz anderen reden müssen: Wenn die SP D demnächst ihre absolute Mehrheit verlieren sollte und es mit den Grünen als Koalitionspartner zu tun bekäme, dürfte die Entscheidung für eine neue Konstruktion" wohl einfacher fallen. Vor allem aber werden die zahlreichen Ausländergruppen in Hamburg sich kein zweites Mal ignorieren lassen: „Das ist das positive am Keskin Coup", meint Etem Ete, Facharzt für Psychiatrie und langjähriger Vorsitzender der türkischen Sozialisten in Europa: „Die Öffentlichkeit wird wachsam sein, ob in Hamburg weiterhin Ausländerpolitik ohne Ausländer gemacht werden soll Norbert Kostede

 
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