Wie die südafrikanische Regierung die Umstände des Todes von Stephen Biko jahrelang vertuschte Verspätete Wahrheit
Von Allister Sparks
Jloge Jonathan Giuckman gestorben. Das entbindet mich von einem sechzehn Jahre währenden Schweigegelübde. Ich kann jetzt offenbaren, welche Rolle er bei der Aufklärung des Todes von Stephen Biko gespielt hat, des Führers der Schwarzenbewegung, der in Polizeigewahrsam brutal umgebracht wurde. Damals versuchte der Justizminister, die Angelegenheit zu vertuschen.
Ich war gerade Chefredakteur der Rand Daily Mail geworden, einer wunderbar kämpferischen Zeitung, die sich während der düsteren Jahre der Apartheid darum bemühte, die üblen Seiten des Systems aufzudecken. Es war das erste Mal, daß ich Druck seitens der Regierung und der Eigentümer verspürte. Sie hatten bereits meine beiden Vorgänger vom Chefredakteurssessel vertrieben. Auch ich mußte gehen - und die Zeitung stellte das Erscheinen ein.
Giuckman war einer der heimlichen Helden Südafrikas, ein großer, rundlicher Mann, dessen etwas pompöses Auftreten eine leidenschaftliche humanitäre Gesinnung verbarg. Er deckte mehr JustizverOHANNESBURG - Vor kurzem ist in Johannesburg Südafrikas renommiertester Pathobrechen auf als irgend jemand sonst in der langen Geschichte der Rassenunterdrückung in unserem Land.
Die Wahrheitsfindung war seine Passion, und aus diesem Grund rief mich Jonathan Giuckman am Morgen des 29. September 1977 an. Er bat mich in seine Praxis. Stephen Biko war zwei Wochen zuvor im Gefängnis gestorben. Justizminister James Kruger hatte bekanntgegeben, daß der Tod wegen eines Hungerstreiks eingetreten war. Er fügte einen Satz hinzu, der in die Annalen der Apartheidbrutalität eingegangen ist: „Sein Tod läßt mich völlig kalt "
Giuckman war aufgeregt, als ich bei ihm eintraf. Er war auf Bitten der Familie bei der Autopsie dabeigewesen, erzählte er. Kruger habe eindeutig gelogen. Er zeigte mir den Autopsiebefund Als der Tod eintrat, war Biko alles andere als unterernährt gewesen, im Gegenteil. Er war mit 88 Kilogramm eher übergewichtig. Er war an schweren Hirnverletzungen gestorben.
Der Arzt der Regierung, der ihn in der Gefängniszelle untersucht hatte, in der er ohne Gerichtsverhandlung gefangengehalten wurde, muß das gewußt haben, denn man hatte eine Lumbaipunktion angeordnet. Das Ergebnis war eine viel zu hohe Anzahl von roten Blutkörperchen.
Was war zu tun? Kruger wollte die Angelegenheit vertuschen und hatte angedeutet, eine gerichtliche Untersuchung der Todesursache sei nicht nötig. Wir mußten unsere Informationen bekanntmachen, um ihn dazu zu zwingen. Aber wir mußten Gluckmans Rolle geheimhalten, weil er ein wichtiger Zeuge sein würde, sollte die Untersuchung stattfinden.
- Datum 02.07.1993 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 2.7.1993 Nr. 27
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