Spurensuche in der Prinsengracht: Anne Frank Vom fernen Symbol zum Mädchen

Am 14. Juni, zwei Tage nach ihrem 13. Geburtstag, beginnt das Mädchen Tagebuch zu schreiben: „Ich werde, hoffe ich, Dir alles anvertrauen können und ich hoffe, Du wirst mir eine große Stütze sein "

Dieses Motto ließe sich, so oder so ähnlich, bei vielen gleichaltrigen Tagebuchschreiberinnen finden, die ihr Erwachsenwerden gegen den Rest der Welt verteidigen müssen. Doch wir schreiben das Jahr 1942: Das Mädchen heißt Anne Frank, ist Jüdin, es herrscht Krieg, die Niederlande sind von Nazideutschland okkupiert.

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Da den meisten Jugendlichen die grauenhaften zwölf Jahre nationalsozialistischer Verbrechen nur mehr als Fakten oder geschichtstheoretischer Hintergrund vermittelt werden, da ihnen jeder persönliche Identifikationspunkt mit den Folgen dieses staatlich geplanten Mordens an den Juden in ganz Europa fehlt, erscheint das Lese- und Bilderbuch „Anne Frank" wichtiger denn je. Eine Familienchronik - herausgegeben von der Anne Frank Stiftung in Amsterdam , die ausführlich und ergreifend sichtbar macht, was Krieg und Terror bedeuten: Flucht, Untertauchen, Tod.

Diese Mischung aus privatem Photoalbum und historischen Fakten ist geordnet im Wechsel zwischen persönlichen und informativen Teilen, mit einem nützlichen Anhang, den wesentlichen Daten zur Geschichte und mit einem Kartenmaterial versehen, das in seiner schlichten graphischen Kühle das Martyrium von Millionen Menschen deutlich werden läßt.

Anne Frank wird 1929 in Frankfurt geboren, die Familie zieht schon 1933 vorsorglich nach Amsterdam um, wo der Vater ein Geschäft eröffnet. 1940 besetzen, die Deutschen die Niederlande, ab 1942 beginnt der Abtransport der Juden. Anne Frank ist untergetaucht, lebt mit dem Tagebuch, mit sieben Personen in quälender Enge, die alle verfügbare Disziplin erfordert, versteckt über den Räumen des ehemaligen väterlichen Geschäfts, versorgt von Helfern, die ihr Leben dabei aufs Spiel setzen. Im August 1944 die Denunziation, der Abtransport. Das Tagebuch bleibt in der Prinsengracht zurück. Danach die Hölle in den Waggons, in den Lagern, schließlich der Tod. Spurensuche also: In diesem schmalen Band wird Anne Frank zu einem lebendigen Menschen.

Wer nach diesem detailgenauen und gerade deshalb sinnlich nachvollziehbaren Buch mehr über Anne Frank wissen möchte, dem stehen seit 1991 eine ergänzte und autorisierte Tagebuchfassung von Otto H. Frank und Mirjam Pressler sowie seit 1988 eine textkritische Ausgabe der Tagebücher, Geschichten und Erzählungen aus dem Hinterhaus der Prinsengracht zur Verfügung (beide 5. Fischer Pressler so liebevolle und kenntnisreiche Annäherung an diesen widersprüchlichen und begabten jungen Menschen genannt („Ich sehne mich so" Das mag notwendig erscheinen, da das Bild der Anne Frank vorwiegend auf der Tagebuchversion von 1947 basierte, die vom Vater, dem einzigen Überlebenden der Familie, vermutlich als Zeitdokument veröffentlicht wurde und nur einen Teil der Aufzeichnungen enthielt.

Vielleicht mit ein Grund, daß die Echtheit des Tagebuchs immer wieder angezweifelt wurde. Nach dem Tod von Otto Frank 1980 erhielt das Niederländische Staatliche Institut für Kriegsdokumentation testamentarisch sämtliche Originalaufzeichnungen überantwortet, untersuchte sie wissenschaftlich, belegte die Authentizität der Tagebücher und veröffentlichte 1986 fast alle Texte. Das Tagebuch, inzwischen in 55 Sprachen übersetzt und über zwanzigmillionenmal verkauft, ließ Anne Frank zum Symbol für Millionen von Juden werden, die das vom deutschen Volk gewählte Hitlerregime brutal abschlachtete.

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