Obersauer im nordwestlichen Ösling: Mit unverfälschten Attraktionen will Luxemburg in seinen ersten Naturpark locken Wer kennt schon Heiderscheidergrund?

Von Rob Kieffer

Der Müller kommt auf einem schwarzen Rennrad angesaust.

An Rüstigkeit fehlt es dem 62jährigen Alex Lanners nicht; außer sich um seine aus dem späten 15. Jahrhundert stammende Getreidemühle zu kümmern, arbeitet er auch noch als Bauer, Fahrer des Schulbusses und Wirt der Dorfschenke. Jetzt, wo der im nordwestlichen Ösling gelegene Naturpark Obersauer, Luxemburgs erster, mit unverfälschten Attraktionen für sanften Tourismus locken soll, wird der Müller umhätschelt, seine alten Mühlsteine würde man am liebsten gleich unter Denkmalschutz stellen.

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Die an einem Bach im Dorf Surre gelegene Königsmühle hat grobe, schneeweißgekalkte Mauern. Ihr Türmcheh aus grünangestrichenem Holz, das dem Emporhieven der Mehlsäcke dient, wirkt zierlich wie eine Schwarzwälder Kuckucksuhr. Derzeit läßt Lanners den Bach nur noch durch die Turbine (Baujahr 1938) rauschen, wenn er Viehfutter für befreundete Landwirte oder Mehl für die Maisbrote einiger Biobäckereien mahlt.

Die schummerigen Innenräume mit ihren ächzenden Balken, zwischen denen mehlbestäubte Spinnweben baumeln, vermitteln einen Hauch ungebrochener Handwerkstradition. An der Mühle, in der Alex Lanners schon als Vierzehnjähriger jedes Schräubchen auswendig kannte, sind die Jahrhunderte nicht spurlos vorübergegangen; der Einsatz der Abrißbirne schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Müller Lanners war deshalb erleichtert, als die Projektleiter des von Staat und Gemeindesyndikaten getragenen Naturparks ihm zu Hilfe eilten: Die Mühle wird aufgepäppelt und in ein „lebendiges" ÖkoMuseum mit regelmäßigem Mahlbetrieb umgewandelt. Alex Lanners will nun die anderen Jobs aufgeben, um sich noch leidenschaftlicher der Stätte seines ursprünglichen Berufs widmen zu können.

Die 23 Kilometer lange „Route der Mühlen", die außer nach Surr£ noch zu weiteren sehenswerten Wassermühlen führt, bildet einen thematischen Rundwanderweg, der die Besucher dieser Ardennenregion von Luxemburgs einzigem nennenswerten Freizeitgewässer, dem Obersauer Stausee, weglocken soll. Die magische Anziehungskraft dieser großen Badewanne hat dazu geführt, daß die Ufer im Juli und August einem kleinen El Arenal ähneln und die ansonsten unbehelligt dahindösenden Stauseedörfer sich bereits mit gebührenpflichtigen Parkplätzen zur Wehr setzen mußten.

Dabei hat das 29 000 Hektar große Gebiet des Naturparks, der sich an der belgischen Grenze entlangzieht, weit mehr als diese in schroffe Ginster- und Farnlandschaft eingebettete Wasserfläche für Segler und Surfer zu bieten.

Knapp 7800 Menschen leben in Dörfern, die von Landwirt 1 schaft und Viehzucht geprägt"

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