„Berbereintopf nach Parkbankart" und Rockmusik - die Nacht der Obdachlosen Wozu der Rummel?

DORTMUND - Asbach Siggi ist gut drauf heute. Zwar kommt er reichlich spät zu seiner Lesung hier im Zelt des Roten Kreuzes. Aber um 22 30 Uhr, als er beginnen sollte, habe er noch eheliche Pflichten erfüllt, tönt er. Nun tritt der Fünfzigjährige entspannt vor seine nächtlichen Zuhörer. Alte Bekannte sieht er endlich mal wieder: „Mensch, Schröder Fritz, du alter Kamickeldieb! Wie gehts?" - „Schlechten Menschen geht es immer gut, hebe!"

Das Zelt ist noch nicht ganz voll, und so zögert Asbaeh Siggi den Beginn seiner Lesung noch mal etwas hinaus: „Warten wir noch auf einige Repräsentanten des Unglücks!"

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Zum Teil sitzen Stadtstreicher hier und zum Teil Intellektuelle und junge Leute, die in der europaweiten „Nacht der Wohnungslosen" ihr Mitgefühl mit den armen Obdachlosen bekunden und zum Zeichen ihrer Solidarität diese Freitagnacht ebenfalls im Freien~™™™ nächtigen. Den ganzen Tag über bereits gab es hier, am Europabrunnen in Dortmunds Innenstadt, ein Kulturprogramm. IMMÜBÜM Es gab Rockmusik und „Musik und Texte zur Wohnungsnot", wo sich „Mieternot" auf „Spekulantenbrot" reimte. Radio Dortmund sendete zwei Stunden live von hier. Und zehn Studenten wurden mit nur zehn Mark weggeschickt; davon sollen sie 24 Stunden leben und am nächsten Morgen ihre „Erfahrungsberichte" abgeben.

Am Stand des Diakonischen Werks liegen spezielle Kochrezepte aus, etwa: „Berber Eintopf nach Parkbankart" mit „Wurst- und Schinkenresten (möglichst erbettelt)". Nur: Ins Gespräch kamen Betroffene und Unterstützer nicht. Während Gert aus Bochum, ein Heilpädagogik Student, darüber räsoniert, wie weit man mit zehn Mark wohl kommt „in unserer konsumorientierten Gesellschaft", freut sich Berber Täto: „Hey, Mann! Heut abend kommt die Suppenküche!"

Erst jetzt, im Zelt bei Asbach Siggi, der sich gern „Milieuschriftsteller" nennt, findet zaghaft so etwas wie Annäherung statt. Bevor er beginnt, warnt Asbach Siggi, daß er jetzt „echt harte Sachen" vortragen werde.

Den Pennern ist er aber offenbar schon viel zu arriviert: „Du hast doch jahrelang keine grüne Wiese mehr gesehen!" ruft einer.

Doch, er habe zu Hause eine Tapete mit Wiesen Muster, gibt Asbach Siggi zurück und trägt nun seine echt harten Sachen vor, zum Beispiel das Gedicht vom großen Busch am Hauptbahnhof Nord Ausgang: „Es läßt sich ausgezeichnet ruhen und ratzen unter dem schattenspendenden Gesträuch, auch spintisieren, rülpsen und träumen von einer eigenen Zwei , Drei, Vier, Fünf- oder auch Sechszimmerluxuswohnung mit Mülleimer für entleertes Flaschengut "

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