Zeitmosaik

Möglich, daß die Weigerung der vier angeseljenen ausländischen Architektur Preisrichter Meier, Gregotti, Holzbauer und Vasconi (ZEIT Nr. 25), sich für eine, wie sie fürchteten, ebenso hinterlistige wie überflüssige Wiederholung ihrer Jurierung mißbrauchen zu lassen, zum Erfolg beigetragen hat. Jedenfalls wurde der geschickt überarbeitete Entwurf, mit dem der Architekt Axel Schuhes den städtebaulichen Wettbewerb für die Ansiedlung der Bundesregierung in Berlin gewonnen hatte, endlich akzeptiert - selbst von der eitlen Herrschaft des Bundeskanzleramtes, die ihren Palast hervorgehoben haben wollte. Mit Schultes Plan harmoniert nun auch der neue Gewinner des ebenfalls wiederholten Bauwettbewerbs: Umbau des alten Reichstagsgebäudes für den Bundestag. Obwohl es sich bei diesem zweiten Durchgang, dem sich die drei preisgekrönten Architekten Foster, de Brujn und Calatrava zu unterziehen hatten, nicht bloß um eine leichte Überarbeitung ihrer Entwürfe, sondern auch des inhaltlich vollständig neuen Bauprpgramms wegen um gänzlich neue architektonische Arbeiten handelt, hatten die nur aus Politikern, im wesentlichen also aus Laien bestehenden Baukommissionen des Bundestages sich angemaßt, allein darüber zu befinden, ohne Fachpreisrichter. Daß die Bundesrepublik trotz dieser neuerlichen Affäre Glück mit dem nun gewählten Reichstagsentwurf des Engländers Norman Foster hatte, ist kein Verdienst der selbstherrlichen Konzept- und Baukommissionen, sondern allein des Architekten. Jetzt bleibt nur noch eines: anfangen! Italia, ach! so fern, so südlich und doch so nah: In München nämlich, ahäm, in Monaco di Baviera, bei Ludovico Becco am Rathauseco läßt sich neuerdings für all jene, die das Land der Mafia Feme mit der Seele suchen, in der BeckBoutique „Dichtung und Wahrheit" ein astreiner, dabei staubtrockener (wir zitieren:) Prosecco di Valdobbiadene D O C. Superiore di Cartizze Dry diretto aus (wir zitieren noch immer das LiteraHolzregalen" verkosten. Leicht vergällt wird einem die Lart pour rart Sinnenfreude allerdings durch ein Damenprogramm von sogenannten literarischen Kostbarkeiten, die erst zum „genußvollen, kosmopolitischen Lebensstil" verhelfen sollen. Denn auch beim Dirndl Kaufhaus Beck führt der Königsweg zum Dämmerschoppen nur über lästige Bücher, vornehmlich Bücher des Beck Manns und Haus- und Hofdichters Herbert Achternbusch. Sein jüngstes gibt es nur als Film: „I know the way to the Hofbräuhaus". Bayern liest vielleicht nicht, aber es säuft grenzenlos.

 
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