Zeitspiegel

Gräben und Brücken

Es mangelt an Verständnis zwischen Israelis und Arabern - das ist alles andere als der Weisheit jüngster Schluß. Doch nicht bei den Golanhöhen, bei Ostjerusalem oder der Nutzung des Jordanwassers tun sich tiefe Gräben auf, vielmehr, gar simpel, beim Mittel der Verständigung: bei der Sprache. Immer weniger Israelis beherrschen das Arabische (wohingegen immer mehr Palästinenser des Hebräischen mächtig sind). Wer das beklagt? Nicht die Friedenstauben von Peace now, nein, Oberst Doron Tamir, der Direktor der Schule des militärischen Nachrichtendienstes. Der Geheimdienstoberst hat natürlich recht: Die Sprache seiner Nachbarn zu beherrschen ist wesentlich - ob man nun im Frieden oder im Krieg mit ihnen lebt. So besehen, deutet Tamir an, wäre derzeit die verflossene Sowjetunion ein geeigneter Feind. Hunderte von seinen aus Rußland eingewanderten Nachwuchsleuten sprechen perfekt die Sprache Dostojewskis.

Wir aßen sie, weil sie billig war. Und nahrhaft, voller Kohlehydrate und Vitamine, gut für Körper und Geist. Sie gab uns die Kraft, ein reiches Land aufzubauen. Jetzt, wo wir erstmals straucheln, kommt Brüssel und will sie uns drastisch verteuern. Mitten im Abschwung - und ausgerechnet im Juli, wo wir alle Energien brauchen, um die neuen Postleitzahlen auswendig zu lernen, und auch noch unsere erste Truppe im Ausland versorgen müssen. Wir werden ihnen keine Bananen nach Somalia schicken können. Sie werden afrikanische Micker Früchte kauen müssen, und ihre Hilferufe werden uns nicht erreichen, weil sie, völlig ermattet, unsere Postleitzahlen vergessen haben. Am Ende werden auch wir sie vergessen haben, erst die Postleitzahlen, dann unsere Jungs, zuletzt die Bananen.

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Ein Deutscher arbeitet in der jüdischen Gemeinde von Prag, andere Freiwillige in Sozialprojekten in Moskau, Minsk und St. Petersburg - unter dem Dach der Aktion Sühnezeichen. Trotz des Engagements ist das ehemalige Flaggschiff der kirchlichen Friedensbewegung in schweres Wetter geraten: Ein verschwenderischer yorstand hatte in den vergangenen Jahren den Überblick über die Ausgaben verloren - ein Loch in der Kasse gefährdet nun die Weiterarbeit: Die neue Sühnezeichen Führung hat zwar einen verbesserten Haushaltsplan vorgelegt - aber der Protektor, die Evangelische Kirche, weigert sich noch, den geschlossenen Geldhahn wieder zu öffnen. Eine derzeit laufende Spendenkampagne - von Prominenten wie Regine Hildebrandt, Ralph Giordano und Johannes Rau unterstützt - soll nun das Schiff wieder flottmachen.

 
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