ARD, Donnerstag, 5. August, 23 Uhr: „Harte Jobs“

Irgend jemand muß die Bilder machen; nicht die, die ins Museum kommen, Bert Stern photographiert Marilyn Monroe, sondern die anderen. Wer photographiert die Frau mit drei Nieren, den Hund, der seinem Herrchen das Leben gerettet hat, die Mutter von zwölf Kindern fürs Grüne, Goldene, Neue Blatt? Wer photographiert Willy Millowitsch vorm Vogelhäuschen und entlockt ihm den einen Satz über die bevorstehende Operation, der dann in der Lokalzeitung Überschrift wird? Wer photographiert die knallharten Bilder für die knallheiße Stadtmagazin-Story über die Show, bei der muskulöse Männer mit schwitzenden Hausfrauen auf der Bühne intim werden?

„Zik“ photographiert Willy Millowitsch und schaut vorher beim Herrenausstatter in der Mittelstraße vorbei, der ihn immer anruft, wenn wer Prominentes vorbeigeht oder sogar hereinschaut. Dann kommt „Zik“ auf Rollschuhen und schießt ein Photo für den Express. Das nützt dem Prominenten, der dadurch noch prominenter wird, dem Herrenausstatter, der seinen Namen groß in der Zeitung findet, und dem Photographen, der sein Geld damit verdient. Und der Leser freut sich. Oder auch nicht. „Zik“ ist das egal; er rollerskatet durch Köln, ein freundliches Geiervögelchen, ein Symbiont unter Symbionten.

Hannelore Conradsen und Dieter Köster haben als Reporter einen Film über Reporter gedreht. Vor der Sensationsmache retten sie sich in absolute Trockenheit. Sie halten still und sehen zu. Sie schneiden nicht mit, sondern filmen, auf grobkörnigem 16-Millimeter-Material, was ihrer Dokumentation etwas befreiend Altmodisches gibt und der Wirklichkeit, die sie zeigt, etwas obszön Wirkliches.

Trauer ist die Grundstimmung dieses Films (der sich keine Sekunde lang bemüht, überhaupt eine Stimmung zu erzeugen): Trauer über eine Welt des ununterbrochenen Austauschs von Gefälligkeiten und Geld. Gäbe es Alfred Biolek, wenn „Zik“ ihn nicht nach seiner Sendung noch im Restaurant photographieren würde? Gäbe es „Zik“, wenn Bio ihn nicht im Fernsehen vorgestellt und ihm seinen Spitznamen verliehen hätte?

Der Chef der Berliner Stadtzeitung Prinz schickt am liebsten den Photographen Wolfgang Brückner in die Szene, auf heiße Techno-Parties und zum Männer-Strip. Brückner wäre lieber selbst ein Teil der Szene, die er abbilden soll; seine Photos vom Männer-Strip werden einfach nicht denunziatorisch genug. Die Stripper, sagt Brückner, seien einsam, die Hausfrauen im Publikum seien einsam, und auch der Redakteur sei einsam und wolle deshalb eine ganz harte Story über diese armen, einsamen Menschen drucken. Ein trauriger Film, wie gesagt.

Die Photographierten sind nie überrascht, nun auch noch gefilmt zu werden. Auf ein Objektiv mehr oder weniger kommt es scheinbar nicht an. Das Fernsehen? Wie nett. Die Mutter von zwölf Kindern, zu der der Reporter Eberhard Auriga kommt, ist die Presse sowieso schon gewohnt und behandelt sie so seelenruhig wie nasse Windeln oder umgekippten Kakao. Vor ihren Augen verwandelt sich das Reporterwesen kurz in ein Kind, das auch irgendwann mal erwachsen werden und lernen wird, sich nicht mehr über alles so aufzuregen. Robin Detje