Sehen Sie, einen Investmentfonds können Sie sehr solide verwalten, ohne von solchen Brüchen etwas zu verstehen – das ermöglicht mir allenfalls größere Gewinne. Aber ein Politiker braucht das Talent, in Ungleichgewichten zu denken, viel dringender als internationale Fondsmanager.

ZEIT: Vorerst profitieren Sie freilich von den Krisen mehr als die meisten Politiker. Scheren Sie sich als Spekulant überhaupt um die politischen und sozialen Folgen Ihres Tuns?

Soros: Als Investor, der das Gesetz achtet und ansonsten den Regeln des Marktes folgt, kann ich mich nicht um die sozialen Folgen meines Handelns kümmern. Als Investor ist es mein Job, Profit zu machen. Und das ist moralisch völlig in Ordnung. Als Spekulant ist es nicht meine Aufgabe, irgendein System abzusichern. Das ist die Aufgabe der Regierungen. Aber meine Rolle hat sich völlig verändert, seit ich zum Guru gemacht wurde: Jetzt konnte ich wirklich Märkte bewegen.

ZEIT: Diese Veränderung wurde im Sommer dieses Jahres offenbar: Erst verkündeten Sie, Sie würden nicht gegen den französischen Franc spekulieren ...

Soros:...weil ich nicht verantwortlich gemacht werden wollte für die Zerstörung der europäischen Währungsordnung.

ZEIT: Aber dann haben Sie schließlich doch gesagt: Jetzt fühle ich mich nicht mehr gezwungen, mich zurückzuhalten.

Soros: Da blieb mir nichts anderes mehr übrig. Die Bundesbank hatte mit ihrer Zinspolitik praktisch den Befehl zum Sturm auf den Franc gegeben. Das war wieder so ein Fall, wo die Politik die Richtung diktiert und der Spekulant am Ende dafür zum Schuldigen gestempelt wird. Was hätte es denn noch genützt, wenn ich mich da zurückgehalten hätte? Es ist nicht meine Aufgabe, den französischen Franc zu schützen. In dieser verzwickten Rolle bin ich ja ohnehin nur, weil man mich zum Guru der Finanzmärkte gemacht hat.