Dabei wird nichts so angebetet wie die Statussymbole. die aus dem eben noch „faschistischen“ Taiwan und Südkorea und Hongkong kommen: schnurloses Telephon. BMW und für die lieben Kleinen der Gameboy. Kentucky Fried Chicken darf Hühner nach Peking tragen, aber der Südstaaten-Colonel sieht eh aus wie ein alter Chinese.

Ganz ließ sich das Gedenken an den hundertjährigen Mao. den Revolutionär und Staatsgründer, in Peking doch nicht vermeiden. Keine Feiern, aber überall Ausstellungen in SEinem Namen. Zum zweiten und dritten Mal die Kappe, die er angeblich auf dem Langen Marsch trug, und wieder die Schaufel, mit der er einen Kanal ausheben half, hier sein Bett, jedesmal ist die Hälfte davon sorgfältig mit Büchern und Akten bedeckt Und richtig, da steht er auch wieder. Maas Spucknapf. Selbst auf den Gedenkmarken wird er nicht vergessen.

Aber wichtiger die Ikonen, mit denen Mao in die chinesische Landschaft und Geschichte eingepaßt wird: der junge Mao vor Schriftgelehrten, schon ganz der kommende Menschheitslehrer, Mao im milden Rembrandt-Licht, die Bauern aufklärend; Mao auf dem Berg, den Mantel der Geschichte zur Seite geweht, Blick nach vorn ins Gelobte Land. Sein Lebensweg, wie er in Peking in allen Stationen von Schaoschan über Jenan. das Tor des himmlischen Friedens bis in den Kaiserpalast von Dschonghai nachgezeichnet wird, folgt einem Heilsplan, der hier um ein hermeneutisches Kunstwerk verlängert wurde. Der Süden mag Mao ja als Jesus anbeten, in Peking taugt er nur als Johannes der Täufer, ein Vorläufer des richtigen Messias. Die Ausstellung vollendet sich mit Deng Xiaopings „Ausgewählten Werken“ auf rotem Samt.

Anfang November, rechtzeitig zum Beginn der Mao-Feiern, hat Deng den dritten Band seiner eigenen „Ausgewählten Werke“ herausgebracht. Damit man ihn auch recht verstehe, erhielten die Kader in Peking und erst recht in der Provinz gleich die Auslegung mitgeliefert. „Shi shi qiu shi.“ In der Macht sind die Tatsachen zu suchen und auch zu finden. Und für die Machterhaltung haben sich, wo der hl. Mao recht hat. hat er recht, die Gewehrläufe bewährt.