Lohnt es sich, ein bestimmtes Fußballspiel an einem bestimmten Tag um jeden Preis zu veranstalten? Obwohl man weiß, daß am 20. April, an „Führers Geburtstag“, deutsche und englische Neonazis ein symbolisch überhöhtes Motiv verspüren, Rabatz zu machen und die Sicherheitskräfte besonders herauszufordern? Die Antwort ist ein klares Nein.

Aber geht – wenn man solche Termine etwas pragmatischer plant – nicht zugleich der Rechtsstaat in die Knie? Die Frage ist falsch gestellt.

Natürlich, wo das Recht durchgesetzt werden muß, muß es durchgesetzt werden. (Hat das angesichts der Besetzung zum Beispiel der Häuser in der Hamburger Hafenstraße jeder, der heute knallhart ein Fußballspiel durchziehen will, so deutlich gesagt?) Doch ansonsten darf, ja muß man unnötig zugespitzte Konfliktsituationen intelligent umgehen. Wer Fußballspiele organisiert, weiß etwas von den Potentialen der begleitenden Gewalttätigkeit. Wer das gesteigerte Risiko neonazistischer Schlägereien ausgerechnet am 20. April nicht einkalkuliert, handelt entweder gedankenlos oder verantwortungslos. Für diese Betriebsblindheit die Gesundheit von noch mehr Polizisten als sonst aufs Spiel zu setzen ist unvertretbar.

Der Hamburger Innensenator hat sich dieser Konfrontation entzogen. Berlin sucht sie nun justament, an „Führers Geburtstag“, in „Führers“ Olympiastadion, in der ehemaligen „Reichshauptstadt“. Die Welt schaut zu. Wenn sie statt dessen zusähe, wie die Staatsmacht Ausländerheime noch stärker schützt als Fußballspiele, hätten wir alle mehr davon. Robert Leicht