Wir sind für die Schlammschlachten im Superwahljahr gerüstet“, brüstete sich Jörg Molch, als er mich durch sein Wahlmunitions- und Waffenlager führte. „Unser Slogan lautet: ‚Die Zukunft liegt in der Vergangenheit.‘ Er ist bei unserer Koalitionskundschaft sehr beliebt.“ Wir näherten uns einem Tümpel. „Das ist unser ‚Wehnersumpf‘, wo unsere Klienten im trüben fischen können.“ – Gerade wurde ein alter Hut herausgefischt. „Den recyceln unsere Kunden in die Wahlbombe: ‚SPD/SED – gleiche Brüder, gleiche Kappen.‘ Ein LKW rollte heran.

„Kommt direkt von der Gauck-Behörde. Kübelweise Belastungsmaterial. Im Wahlkampf findet der letzte Schrott seine Abnehmer; oft genügt die bloße Drohung mit Enthüllungen, um den Gegner mundtot zu machen.“ Dann befahl er: „Schütten Sie den Krempel in die Fundgrube. Diese Flinten werden noch für das Hornberger Schießen auf Manfred Stolpe gebraucht.“ Dann rief er einem Team von Gamsbart- und Sepplhosenträgern, das gerade mit vollgestopften Rucksäcken abzog, „viel Glück“ zu. „Rührende CSU-Kunden. Ihre Waffe ist der Bumerang. Gewöhnlich geben wir noch ein paar Nebelwerfer dazu, damit sie ihre eigenen Affären vernebeln können.“

Direkt vor uns bediente ein Mann eine große Dreckschleuder. „Das ist Herr Glos von der CSU. Er pflegt den Dreck einfach in die Gegend zu schleudern. Irgendwas wird schon irgendwo hängenbleiben, eventuell sogar an der eigenen Schwesterpartei.“ Geschäftsmäßig wies er auf eine Splitterbombe: „Wegen ihrer breiten Sprengwirkung ein absoluter Verkaufshit. Es handelt sich um unterstellende Schlagzeilen von der Sorte: ‚War Wienand ein KGB-Agent?‘“ – Am Schießstand ging es lebhaft zu. Das Erledigen von Pappkameraden ist im Wahlkampf sehr beliebt. Hier wird auf die Glaubwürdigkeit des Gegners gezielt. „Waidmannsheil“, rief er einer abziehenden Jägergruppe zu. „Sie gehen auf Treibjagd, um ein paar Sündenböcke abzuschießen, die an unserer Krise schuld sein sollen.“

„Haben Sie auch Schreckschußpistolen auf Lager?“ Feinsinnig lächelnd kramte er ein Photo hervor: „Schnappschuß eines unserer Scharfschützen: Scharping und Gysi händchenhaltend auf dem Rosa-Luxemburg-Platz. Sie stutzen? Das sind echt japanische Samurai-Schwerter für Wahlverlierer, die Harakiri begehen wollen.“