Wir haben zurückgeblättert und sind erstarrt: Schon vor zwei Jahren war der 20. April im Kalender rot eingetragen. Ein kalt genossener Agitprop-Triumph der Neuen Rechten, den wir damals arglos übersahen? Ach, Ostermontag war’s, und wir dachten uns nichts dabei. Wie auch jüngst der DFB-Generalsekretär Horst Schmidt, als er sich herauszureden suchte: „Der 20. April ist bisher für uns kein besonderes Datum gewesen.“

Heilige Einfalt! Hätte der Mann doch in die Bild- Zeitung geschaut, dann hätte er begriffen: „Deutschland – England zu ‚Führers Geburtstag‘ – das wäre zu gefährlich.“ Das meinte auch Hamburgs Innensenator Werner Hackmann und pfiff das im Volksparkstadion geplante Spiel beizeiten ab. Der Senator konnte für die Sicherheit nicht garantieren. Das ist schlimm.

Es könnte noch schlimmer kommen. Denn kaum hatte die Hansestadt abgesagt, griff die Hauptstadt beherzt zu. Wenn im Berliner Olympiastadion zu Adolf Hitlers 105. Geburtstag (unsere Zeitungen achten wieder auf ihre Chronistenpflicht!) der Anstoß erfolgt, dann können die Neonazis doppelt feiern: den Sieg über die gar nicht standhaften hanseatischen Demokraten und den Abschied von fünf geschichtslosen Jahrzehnten.

Hackmann sei Dank! Der 20. April hat wieder seinen Ehrenplatz auf den deutschen Kalenderblättern gefunden. Vielleicht werden sich schon unsere Kinder wundern, daß ihre Eltern achtlos in diesen wichtigen Tag hineinlebten, ja in manchem Jahr zu Führers Geburtstag einfach Ostern feierten.

Matthias Naß