Von Janusz Tycner

Lebemänner genießen nicht nur ihr eigenes Dasein; sie lassen auch gerne leben. Welcher Bonvivant jedoch ist schon willens, sein Leben für andere aufs Spiel zu setzen?

Oskar Schindler, Jahrgang 1908, ein sudetendeutscher Charmeur, Elegant und Frauenheld, Glücksritter und Hasardeur, riskierte Kopf und Kragen schon zu einem Zeitpunkt, als es keinen Anlaß gab, am „Endsieg“ zu zweifeln. Draufgängerisch, nahezu alles auf eine Karte setzend, hat dieser deutsche Schelm aus der Rettung der Juden ein Unternehmen gemacht. Sein Ziel: im Maß des ihm Möglichen, durch Heucheln und Horchen, Fälschen und Feilschen, Zechen und Bestechen, Hitlers „Endlösungs“-Pläne zu durchkreuzen.

Schindler gewann. Es war, Pathos ist hier durchaus angebracht, ein handfester Sieg des Guten über das Böse, der sich in Zahlen ablesen läßt. 1100 todgeweihte Menschen verdanken dem Lebemann ihr Leben.

Nach dem Krieg bekam Schindler einen deutschen (Adenauer war beim Festakt anwesend) und einen päpstlichen Orden, 500 Mark Rente und eine Geldstrafe, weil er einen Mann geohrfeigt hatte, der ihn als „Judenknecht“ beschimpfte. Von seinen ehemaligen Schützlingen finanziell unterstützt, ging er nach Argentinien, hatte dort aber keinen Erfolg mit seiner Nutriafarm. Eine Zementfabrik, die er später in Deutschland gründete, ging 1961 in Konkurs. Verarmt und einsam lebte Schindler zuletzt im Frankfurter Bahnhofsviertel, wo er 1974 starb.

Dreißig Nachkriegsjahre lang fand kein deutscher Autor den einmaligen Erzählstoff, den Schindlers Leben hergab, für packend genug, um ein Buch über diesen Mann zu schreiben. Schließlich sorgte ein Australier dafür, daß Schindlers unglaubliche Husarenstücke weltweit bekannt wurden.

Thomas Keneally bereiste 1980 die Vereinigten Staaten, um für seinen Romen „Confederates“ zu werben. In Los Angeles suchte er das Lederwarengeschäft „Bevery Hills Handbag Studio“ auf, um eine Aktentasche zu kaufen. Die Überprüfung seiner Kreditkarte dauerte lange; er kam mit dem Ladenbesitzer Leopold Pfefferberg ins Gespräch. Plötzlich sagte Pfefferberg, der an „Confederates“ Gefallen fand: „Hab’ ich vielleicht eine gute Geschichte für Sie.“