Kinshasa liegt mitten in Bonn. Und weil im fernen Zaire gleich zwei Regierungen und zwei Parlamente um die Macht kämpfen, warten im stillen Bonn, tief im Süden, wo der berühmte Humboldt-Blick auf den Drachenfels den verzückten Betrachter in vergangene Zeiten entführt, in der Botschaft von Zaire zehn Diplomaten mit ihren Familien seit zwei. Jahren vergeblich auf ihr Salär. Und vor der Botschaft grummeln Handwerker und Hausbesitzer ihre Gravamina von Godesberg: Sie fordern erbost, daß ihre Rechnungen und Mieten endlich beglichen werden.

Präsident Mobuto Sese Seko von Zaire gehört zu den reichsten und korruptesten Potentaten dieser Welt. Seine Landsleute in Bonn genießen die Immunität von Diplomaten und frieren sich dennoch durch den Winter. Längst drängen sie sich mit ihren Familien im Botschaftsgebäude, denn an ihren Bonner Domizilen wurden Strom, Wasser, Telephon abgestellt: eben noch privilegiert, plötzlich pauperisiert. Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ liegt für sie nicht am Kongo, sondern am Rhein.

Die private Französische Schule von Bonn hat ihre Kinder ausgesperrt, beim Franc hört das Ideal der Frankophonie, der weltumspannenden Kulturgemeinschaft unter den Fittichen Frankreichs, auf. Wird einer krank, muß er auf den guten Willen des Arztes hoffen, keine Krankenversicherung schützt ihn mehr. Und wer weg will, muß bleiben, schließlich fand es im Durcheinander in Zaire niemand für nötig, diese Staatsdiener abzuberufen.

So schützt die Immunität diese Afrikaner vor der Zwangsversteigerung und hält sie doch in ihrer Zwangslage gefangen. Humanitäre Hilfe dieser Art ist im Budget des Auswärtigen Amtes einfach nicht vorgesehen: Entweder müßten die Zairer um politisches Asyl nachfragen – oder das Amt müßte sie zu Personae non gratae erklären. Zur einen Lösung sind die Gäste zu stolz, zur anderen ist sich das Amt, und seien die Beziehungen zu Mobutos Diktatur noch so schlecht, zu schade. Schwarze Zeiten für diesen vergessenen Außenposten des Schwarzen Kontinents.

Viel Aufhebens vom Schicksal dieser Menschen macht in Bonn eigentlich niemand. Wer interessiert sich schon für Afrika, wo doch der Kongo nirgendwo in den Rhein fließt...

Joachim Fritz-Vannahme