Wohl in keinem anderen Land haben Gestik und Mimik solch eine große Bedeutung wie in Italien, werden Gefühle und Situationen so sehr mit dem Körper oder mit körperbezogenen Worten ausgedrückt wie hier. Was für den Urlauber oft nur die letzte Rettung ist, wenn seine Vokabelbrocken nicht ausreichen, ist für die Italiener selbst ein wichtiger und eigenständiger Teil ihrer Kommunikation. Da verwundert es fast, daß neben den unzähligen Sprachlexika und -lehrbüchern erst jetzt eine Art Führer durch die Körpersprache der Italiener erscheint: Senza Parole. Italienisch mit Händen und Füßen (rororo-Sprachbuch; Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1993; 252 S., 19,90 DM). Hardy Brackmann und Liborio Pepi führen dem erstaunten Leser den schier unerschöpflichen Reichtum dieser Körpersprache vor Augen.

Das beginnt beim einfachen Händeschütteln und reicht bis zu den zahlreichen Gefühlen und Ausdrücken, die im Italienischen gerne mit den Beinen „mitgeteilt“ werden, wie etwa „Schüchternheit“, „Nachgiebigkeit“, „Alles wird gut!“ oder „Wie wunderbar!“. Bei typisch italienischen Gesten wie den „aufgesetzten Hörnern“ ist, wie wir hier lernen, übrigens sorgsam zwischen „waagerecht“ und „senkrecht“ aufgesetzten zu unterscheiden: Mit ersteren schützt man sich selber vor bösen Geistern oder wünscht sie anderen an den Hals, letztere symbolisieren den (von seiner Frau) betrogenen und somit der Lächerlichkeit preisgegebenen Ehemann. Auf den Gebrauch dieser und ähnlicher Gesten sollte man als Reisender also wohlweislich verzichten. Ansonsten aber gilt: Wer sich zumindest einige der hier beschriebenen Gebärden aneignet, der kommt dem Italienischen und den Italienern bedeutend näher und als Reisender selber erheblich weiter als mit manchem Sprachkurs. Als solcher läßt sich das Buch freilich auch nutzen, denn alle mimischen Ausdrücke werden auf italienisch (mit deutschen Vokabeln) und mit zahlreichen zweisprachigen Kurzgeschichten, Gedichten oder Liedertexten erläutert.

So hilfreich und durchdacht dies alles ist, so mißlungen sind die – gerade bei diesem Thema besonders wichtigen – Illustrationen. Vom Verlag werden sie als „sinnlich“ apostrophiert, muten in Wirklichkeit aber oft nur gewollt frivol an. Viele zeigen nichts anderes als spärlich bekleidete und zudem merkwürdig surrealistisch gestaltete Figuren, die ihrem Triebleben nachgehen. Das hat weder mit „sinnlich“ viel zu tun noch mit „Körpersprache“. Marco Finetti