Ausgerechnet in diesem Frühjahr Finnlands Präsidentschaft zu übernehmen ist kein Zuckerschlecken: Schwer lastet die horrend hohe Arbeitslosigkeit von 21 Prozent, sie ist zehnmal so hoch wie vor drei Jahren; gleichzeitig muß (und will) der neue Amtsinhaber seine noch zögernden Landsleute in die Europäische Union führen; und schließlich droht hinter der 1400 Kilometer langen, praktisch nicht zu verteidigenden Grenze der Russe Wladimir Schirinowskij. Der meint: „Ein Land, das eine Frau zur Verteidigungsministerin hat, verdient die Unabhängigkeit nicht.“

Ebendiese Frau, Elisabeth Rehn, wäre um ein Haar gar zur Präsidentin gewählt worden. Nun aber wird der 56jährige schwergewichtige Sozialdemokrat und Karrierediplomat Martti Ahtisaari Finnland durch rauhe Jahre führen.

Bisher galt der saunabegeisterte ehemalige Volksschullehrer als „Sonnenkind“. Er hat die meiste Zeit im Süden, vor allem in Afrika gelebt und bei den Vereinten Nationen eine Bilderbuchkarriere gemacht. Zuletzt war er UN-Emissär auf dem Balkan. Der Präsidentenposten ist sein allererstes politisches Amt in der Heimat. Seine Außenseiterrolle gereichte ihm gar zum Vorteil. Die Finnen hatten genug von ihren „Elefanten“. Da kam der Vorzeigediplomat gerade recht. Sein Glanz verblaßte ein wenig, als sich zeigte, daß der zähe Unterhändler ein dröger und konturloser Wahlkämpfer war. Zudem ist ihm sein Land fremd geworden: Was kostet ein Liter Milch? Was eine Straßenbahnfahrkarte? Ahtisaari mußte passen.

In der Wirtschaft hat das finnische Staatsoberhaupt ohnehin wenig zu bestellen. Wie in Frankreich obliegen ihm die Außen- und Sicherheitspolitik. Und dort kennt er sich aus wie kein zweiter.

Im übrigen verkörpert „Papa Mumin“, wie er in Anspielung auf die beliebten rundlichen, knollennasigen Trolle genannt wird, gut finnische Tugenden: Er ist zurückhaltend, er ist hartnäckig, er ist verläßlich, und er ist ganz und gar unspektakulär. Fredy Gsteiger