Sie haben so gute Arbeit geleistet. Nur die besten Ingenieure waren in den Flugzeugen am Werk, um winzige Schubaschenbecher raffiniert in die Armlehnen zu integrieren. Die klemmen und quietschen zwar ein wenig, aber sie erfüllen ihren Zweck. Fly-Tech, auf das man zu Recht stolz sein kann.

Was aber machen immer mehr Airlines trotz dieses kleinen Wunders an Aschenbechertechnologie? Sie verbieten das Rauchen, wodurch die Schublädchen ihrer Daseinsberechtigung verlustig gehen. Gegen Nichtrauchen auf Kurzstrecken haben wir ja gar nichts einzuwenden, wir, die wir noch zu den letzten Lasterhaften zählen. Aber neuerdings untersagen die Fluggesellschaften den blauen Dunst sogar auf Interkontinentalflügen. Folter per Zwangsentzug über zwölf Stunden und mehr.

Check-in für Frankfurt-Vancouver: „Fenster und Raucher, bitte!“ Die Dame am Schalter lächelt mild. „Dies ist ein Nichtraucherflug.“ – „Aber der dauert doch neun Stunden.“ – „Mit Stopover in Calgary werden es gut elf. Aber vielleicht können Sie, vor dem Weiterflug, dort mal austreten...“

Austreten! Wird Toilettenbenutzung demnächst auch noch abgeschafft?

Alle Gedanken während des Fluges sind auf Calgary konzentriert: Olympia 1988, Rodeo, Öl und – eine anstecken! O Calgary, du Schöne, du Glückverheißende... Wissen Nichtraucher eigentlich, was stundenlanger Entzug bedeutet? Warum verteilen die Fluggesellschaften keine Nikotinkaugummis, warum keine Nikotinpflaster? Es muß ja nicht gleich eine Beruhigungsspritze sein oder ein Psychotherapeut als Flugbegleiter. Mit allem möglichen Schnickschnack versuchen die Airlines, ihre Unverwechselbarkeit werbegerecht zu demonstrieren – hier ein Zentimeterchen mehr Beinfreiheit, dort ein halbes Zentimeterchen breiteres Stewardessenlächeln, nur damit wir Swisshansa fliegen oder Luftflot statt Garudaereo und Air Sing-A-Quant. Wir Raucher wären ja für eine kleine Geste schon dankbar. Schon etwas Geräuchertes zu Mittag würden wir goutieren. Aber darauf kommt keiner. Uns bleibt nur, die Minuten zu zählen – entwürdigend. Endlich: Wir landen – im Gefängnis von Calgary: Kein Transitreisender darf – ja – austreten. Zwei kräftige Gestalten stehen am Flugzeugausgang wie Knastwärter. Warum wir an Bord bleiben? Schulterzucken. Die Front der Raucher formiert sich fast zur Stampede. Es folgen Debattierversuche, Beschimpfungen; einer droht gar mit Hijacking. Große Schadenfreude bei den Nichtrauchern. „Bitte wieder anschnallen. Wir starten.“ Vancouver wird zur schönsten Stadt der Welt. Endlich gelandet, ausgetreten, angesteckt: drei Stück hintereinander!

Es gibt noch eine weitere minderheitenfeindliche Quällinie. Dazu höchst inkonsequent. Frankfurt-Los Angeles hat sein Raucherghetto. Dann Weiterflug nach Auckland, Neuseeland, dauert mit Zwischenlandung sechzehn Stunden – und plötzlich herrscht Rauchverbot an Bord, ohne jede Vorwarnung. Aber unterwegs lockt ja noch ein Stopover im schönen Hawaii. Die sechs Stunden schaffen wir locker: Wir sind ja nicht süchtig. Honolulu: Wir dürfen aussteigen. Einer dreht sich, im Gehen, die Halbschwarze, ein anderer hat den Fertigstengel schon in der Hand. Doch im Transitraum überall Schilder: Rauchen sei qua Gesetz des Bundesstaates Hawaii verboten. Dann auch noch Verspätung des Anschlußfluges. Jetzt ist aber Schluß mit lustig: Wir fordern die unverzügliche Einreise ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten für eine Zigarettenlänge – wo ist der Zoll? Die Wärterin vor dem Ausgang bremst: „Better go to the toilet.“

Da sind zwar auch Schilder, aber etwas kleiner, und beim Öffnen der Tür prallen wir gegen eine Nebelwand aus Rauch. Ein Dutzend Tongaer und Samoaner beim Wettpaffen: „Come in“ – und alle lachen. Es ist wie eine Verschwörung der Gedemütigten, völkerverbindend und multikulturell. „Tonga“, sagt einer, „da müssen Sie hin. Kein Rauchverbot anywhere!“