Für stolze Konjunkturprogramme sind die Macher im Tokioter Finanzministerium immer zu haben. Jüngst versprachen sie der stagnierenden zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Mehrausgaben in Höhe von 242 Milliarden Mark für das Haushaltsjahr 1994/95. Allerdings ist dieses Versprechen irreführend. Zum einen behaupten unabhängige Experten aufgrund der Erfahrung mit den Konjunkturspritzen der vergangenen zwei Jahre, daß stets nur ein Drittel der versprochenen Summen tatsächlich geflossen ist. Japanische Bürokraten sind offenbar Künstler bei der Manipulation alter und neuer Haushaltsposten. Zum anderen aber wissen auch die findigen Mitarbeiter des Ministeriums diesmal nicht, wie die im Konjunkturpaket enthaltenen Steuersenkungen von über 88 Milliarden Mark finanziert werden sollen. Die plumpe Idee von Premierminister Morihiro Hosokawa, einfach die Mehrwertsteuer zu erhöhen, wurde von den sozialdemokratischen Partnern abgelehnt und mußte deshalb vertagt werden. Die Sozialdemokraten verbuchen damit den ersten großen Erfolg; auf die Finanzjongleure in der Behörde kommen indes schwere Zeiten zu. bl