FREIBURG. – Irgendwas stimmt da nicht. Sonst wären nicht diese Sprüche im Fahrstuhl. „Dona nobis pacem“ ist dort zu lesen, das Büchnersche „Friede den Hütten“ und „Käufer aufgepaßt, es hagelt Prozesse!“

Die beiden Wohnblöcke in der Merzhauser Straße 12 und 14 galten schon immer als besondere Adresse in Freiburg. Allein deshalb, weil sich das Rotlichtmilieu hier eine Arbeitsbasis eingerichtet hat.

Jetzt aber geht es um eine ganz andere Geschichte, um ein ganz anderes Gewerbe. Es ist die Geschichte eines Mannes, der die bittere Erfahrung machen muß, daß Immobilienspekulation gehörig in die Binsen gehen kann. Und es ist die Geschichte vieler Menschen in einem großen Haus, die daran schuld sind, daß dieser Mann nicht richtig Geld verdienen kann. Sie sind Mieter, und das ganz penetrant. „Der Mieter ist förmlich wie ein Hausschwamm“, sagt Gerhard Polt, „einmal wenn’s dn drinn host, bringst ihn nimmer raus.“

Im Klartext: In der Merzhauser Straße in Freiburg wird systematisch das betrieben, was im Jargon der Immobilienbranche „Entmietung“ heißt. Und zwar in einem Ausmaß, wie es selbst hartgesottene Branchenkenner in der Stadt noch nicht erlebt haben. Etwa 100 Bewohner sind vom Rausschmiß bedroht. Jüngster Höhepunkt: eine hastige Generalkündigung an alle 42 Mietparteien. – Die Panikreaktion eines Spekulanten, dem der Atem und vor allem das Geld ausgeht.

Dabei hatte sich Sammy Guide alles so schön vorgestellt. Im September letzten Jahres kaufte er als Geschäftsführer der sogenannten Südstern GmbH in Filderstadt bei Stuttgart die beiden Objekte an der Merzhauser Straße für 11,2 Millionen Mark. Stück für Stück wollte er die 49 Wohnungen dann wieder verkaufen; bei einem zunächst angesetzten Quadratmeterpreis von 5000 Mark hätte das einen Gewinn von fast acht Millionen bedeutet. Jetzt würde sich Guide schon mit 3000 Mark pro Quadratmeter begnügen. Man wird bescheiden, wenn einem die Banken im Nacken sitzen.

Und sie sitzen. Denn man muß wissen, daß zwei Banken den Kauf von Südstern-Gulde finanziert haben. Folglich zeigen sie jetzt gesteigertes Interesse am Verkaufserfolg der Südstern. Wie formuliert es ein Mieteranwalt? „Guide ist doch nur ein Strohmann, der für die Banken die Drecksarbeit machen soll.“

Ein Anruf bei der betreffenden Commerz-Bank in Filderstadt bestätigt diesen Verdacht. „Da sind Sie goldrichtig bei uns“, freut sich der Filialleiter über den angeblichen Kaufinteressenten und verweist an Herrn Guide: „Sprechen Sie ihm auf den Anrufbeantworter. Wenn er hört, daß es um die Merzhauser Straße geht, ruft er bestimmt zurück!“ Im übrigen müsse man sich wegen der Mieter keine Sorgen machen, die bekäme man schon raus.