Sämtliches Plutonium, ob militärischen oder zivilen Ursprungs, soll unter internationale Kontrolle gestellt werden: Das fordert ein 280-Seiten-Report, den ein prominent besetztes Forscherkomitee der National Academy of Sciences (USA) vergangene Woche veröffentlicht hat.

Um die etwa fünfzig Tonnen Plutonium-239 aus zerlegten Sprengköpfen amerikanischer und vormals sowjetischer Raketen für militärische Zwecke unbrauchbar zu machen, seien dringend bilaterale Vereinbarungen zu treffen, fordern die Wissenschaftler. Außerdem solle möglichst bald der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) die Aufsicht übertragen werden.

Die IAEO-Beamten in Wien waren vor zehn Jahren auf dieselbe Idee gekommen. Einige Experten erwägen nun sogar, der Organisation das Waffenplutonium regelrecht zu übereignen. Das sieht deren Satzung zwar nicht vor, könnte aber vereinbart werden. Jedenfalls ist, etwa ein Jahr vor dem Auslaufen des Atomwaffensperrvertrages, wieder Bewegung in die Szene gekommen. In der nächsten Woche treffen sich in Tokio Fachleute aus mehreren Ländern zu einer großen Konferenz über „internationales Plutonium-Management“.

Auch aus zivilem Reaktorplutonium lassen sich Waffen schmieden. Terroristen könnten zum Beispiel entwendetes Spaltmaterial mit Plastiksprengstoff mischen. Damit wären sie imstande, ganze Städte zu vergiften. Welcher Aufwand vonnöten ist, um aus Reaktorplutonium Kernwaffen herzustellen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die amerikanischen Forscher, zu denen anerkannte Atomexperten gehören, schätzen dieses Risiko hoch ein und wenden sich gegen jedwede Wiedergewinnung des Plutoniums aus abgebrannten Brennstäben. Das ist seit Jimmy Carter ohnehin die Regierungsposition.

Der Bericht verwirft technisch unausgereifte Verfahren zur Verringerung des Plutoniumvorrats – etwa die Konstruktion spezialisierter Reaktoren oder Neutronenkanonen, ebenso den Vorschlag aus den USA, das Metall in die Sonne zu schießen, oder die russische Idee, es mit unterirdischen Atomexplosionen zu traktieren. Es bleiben im wesentlichen zwei Möglichkeiten:

  • Plutonium läßt sich mit stark radioaktivem Abfall mischen und verglasen – dann wäre es praktisch unzugänglich für Bombenbauer.
  • Es kann oxidiert, mit Uranoxid zu keramischen Mischoxid(Mox)-Brennelementen verarbeitet und in Reaktoren bestrahlt werden, so daß es hernach für Militärs uninteressant ist.

Diese Techniken könnten das heutige Risikoniveau immerhin senken. Sie sollten beide verfolgt werden, damit das derzeit gelagerte Plutonium in einigen Jahrzehnten endlich für die Waffenkonstruktion unbrauchbar sein wird.