Von Anna von Münchhausen

Der Photograph Helmut Newton ist kein Mann von kleinem Format. Weit über die Szene der Eingeweihten hinaus hat er sich in den letzten zwanzig Jahren einen Namen gemacht. Seine Bildbände erreichen weltweit Bestsellerauflagen, seine Arbeiten werden mit Spitzengagen honoriert, seine Werkschau Ende vergangenen Jahres lockte allein in Hamburg 61000 Bewunderer an.

Rechtzeitig zur Eröffnung meldete sich eine Kritikerin. „Newton – Kunst oder faschistische Propaganda?“ fragte Alice Schwarzer in der Zeitschrift Emma. Das Ergebnis ihrer Bilderanalyse: „Die Photos von Helmut Newton sind nicht nur sexistisch und rassistisch – sie sind auch faschistisch. Denn seine Bilder transportieren und propagieren die Ideologie vom Herrenmenschen und seinen Untermenschen. Bis zur letzten Konsequenz.“

Für diese Äußerungen, illustriert mit neunzehn Newton-Photos, wird sich die Herausgeberin des Frauenmagazins am 8. Juni vor dem Münchner Landgericht verantworten müssen. Verklagt hat sie Newtons Verlag Schirmer/Mosel. Warum? Weil die Redaktion vor Drucklegung weder die Genehmigung für den Abdruck der Photos eingeholt noch das fällige Honorar von 38 000 Mark gezahlt hat. Emma-Anwalt Joachim Kersten frohgemut: „Das ist ungewöhnlich, aber es muß erlaubt sein.“

Es handelte sich keineswegs um ein absichtsloses Versehen oder eine Nachlässigkeit. Lothar Schirmer, Geschäftsführer des Münchner Verlages, sieht in dem Vorgehen vielmehr einen mutwilligen Verstoß gegen das Urheberrecht. Genüßlich erinnert er sich an die Vorgeschichte: „Während der Buchmesse im vergangenen Oktober kommt Frau Schwarzer den Gang entlang und sagt: Weiter Kollege, ich wollte Ihnen nur mitteilen, daß ich im Novemberheft der Emma eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Helmut Newton beginnen werde, aber wir bleiben kollegial in Verbindung... Und schwups, war sie auch schon wieder verschwunden. Ich konnte nur noch hinterherrufen: Oh, nach Herrn Bastian jetzt Helmut Newton! Denn mir war klar, daß sie da keine Lobeshymnen singen würde.“

Soviel ist unbestritten: Newtons Thema sind die Frauen. Als Werbe- und Modephotograph hat er für internationale Magazine gearbeitet. Seine Portraits prominenter Zeitgenossen sind voller Ironie. Bekannt geworden ist er in den vergangenen zwanzig Jahren indes vor allem durch seine Erotikphotographie, deren Bildersprache von zunehmender Radikalität geprägt ist. Arbeiten, die auch anderswo – wenn auch nicht so prominent – kritisiert und als Kulturpornographie bezeichnet worden sind.

Zumeist sind seine Models nackt bis auf die unvermeidlichen Stöckelschuhe, das klassische Fetisch-Accessoire. („Für Akt-Photos“, erklärte der 73 Jahre alte „Voyeur mit der Kamera“ im stern, „sind hohe Absätze ... sehr wichtig. Eine Frau hat ganz andere Muskeln, wenn sie auf Absätzen steht. Das spannt sich am Hintern, an den Waden und am Schenkel.“)