Den amerikanischen Autor Richard Ford teilen sich hierzulande schon immer zwei Verlage: Rowohlt und Fischer. Bei Fischer erschienen 1989 der Romanerstling "Ein Stück meines Herzens" und die Short stories "Rock Springs" und 1991 der Roman "Wildlife WildLeben", bei Rowohlt 1989 die Romane "Der Sportreporter" und - in einer weitgehend mißlungenen Übersetzung - "Verdammtes Glück". Beide Verlage legen jetzt wieder einen Ford vor: Rowohlt eine neue Übersetzung (durch Hans Hermann) von "Verdammtes Glück", Fischer eine schmale Novelle mit dem Titel "Der Frauenheld", übersetzt von Martin Hielscher.

Beide Verlagsprospekte werben mit dem Photo eines attraktiven Mannes Jahrgang 1944, sehr hohe Stirn, sehr helle Augen, beide zitieren enthusiastische Kritiken, die ihren Autor Richard Ford als einen der wichtigsten, der faszinierendsten der amerikanischen Gegenwartsliteratur ausweisen. Und beide Bücher - "Der Frauenheld" wie der mehr als zehn Jahre ältere Roman "Verdammtes Glück" - enttäuschen.

"Der Frauenheld" hat im Amerikanischen den unvergleichlichen Titel "The Womanizer" - wir denken an die Rockmusik, wo beim elektronisch perfekten Schlagzeug der Humanizer eingeführt wurde, der Vermenschlicher, der den Rhythmus ab und zu ganz leicht störte, so als spiele da wirklich ein Mensch und nicht eine Maschine. Der Womanizer ist ein Mann, der perfekt auf der Klaviatur der Gefühle spielt, der jede Frau von allem - besonders von sich - überzeugen kann, ein richtiger Frauenheld ist er eigentlich nicht. Die Geschichte erschien in den USA in "GRANTA 40", einem Magazin für neue Literatur; und sie erzählt von Martin Austin, Mitte Vierzig, ganz nett verheiratet, Vertreter einer Papierfabrik. Auf einer Dienstreise zu einem französischen Verlag, dem er das Papier für Bücher verkauft, verliebt er sich - Paris! Stadt der Liebe und der großen Gefühle! - in die Lektorin Josephine Belliard.

Verliebt er sich wirklich? Er redet sich Verliebtheit ein, er sehnt sich nach Aufwallungen, nach Herzklopfen, und er steigert sich hinein in eine Affäre, die gar keine ist, denn es passiert nichts zwischen ihm und Josephine. Sie sitzt neben ihm im Auto und macht keine Anstalten, ihn zu küssen, obwohl er denkt, daß sie sich danach sehnt. Sie ruft ihn nicht an im Hotel, sie ist seinen Reizen gegenüber merkwürdig unempfindlich, aber was sind denn eigentlich Martin Austins Reize? Daß er die Frauen kennt, daß er sie glücklich machen kann, daß er das hat, was sie brauchen - denkt er. Er hat nichts davon, er weiß nichts. Er ist ein schlapper Junge Mitte Vierzig, irgendwie festgefahren in seinem Leben, genau der zärtliche Typ, der einem irgendwann mit seinen Dackelaugen über den Weg läuft und alles durcheinanderbringt - Hände weg von diesen wehleidigen Womanizern!

Das denkt wohl auch Josephine, von der wir merkwürdig wenig erfahren - Frauen zu beschreiben ist nicht Richard Fords Stärke. Es ist, als fürchte er sich, ihnen auf die Spur zu kommen - in allen Geschichten spielen die Liebe und der Sex eine zentrale Rolle, aber die dazugehörigen Frauen bleiben blaß. In seine matten Männer"helden" hingegen kriecht Ford geradezu hinein, beschreibt akribisch ihr mittelmäßiges, glückloses Leben, weiß, woran sie scheitern: an den kleinbürgerlichen Verhältnissen, an den Träumen von Männlichkeit, am Vietnamkrieg und - letztlich an den Frauen.

Noch nie aber war ein Held bei Richard Ford so fad wie dieser Verwalter einer Midlife Krise, der denkt, daß die Frauen ohne ihn nicht leben können. Können sie aber doch - Josephine kann es, und Austins Frau Barbara, seiner Eskapaden müde, kann es schließlich auch. Da sitzt er und weiß nicht, ob er Opfer oder Täter ist - "Das waren Fragen, so fühlte er, über die er viele, viele Nächte schlafen mußte So endet diese Geschichte, der ihr Erzähler offenbar nicht traut: Ist eine Affäre, bei der gar nichts passiert, nicht doch zu langweilig? Ford hilft seiner Geschichte sicherheitshalber noch etwas auf: ein Kindesmißbrauch, das ist doch was. Austin soll auf Josephines vierjährigen Sohn Leo aufpassen und verliert ihn im Park prompt aus den Augen. Das Kind wird überfallen und mißbraucht. Ein Ereignis, das aus der lakonisch erzählten Geschichte herausfällt, den schalen Verdacht aufgepeppter Spannung hinterläßt.

"Verdammtes Glück", 1981 in den USA erschienen, ist in einem schwer erträglichen Ton ruppiger Männlichkeit erzählt. Es handelt sich um eine verdammt mühsam zu lesende Geschichte von Harry Quinn, dem Vietnamveteranen, der seine Freundin Rae zurückgewinnen will, indem er ihren Bruder Sonny aus dem Gefängnis einer miesen kleinen mexikanischen Stadt freikriegen will - Sonny sitzt wegen Rauschgiftschmuggels. Es ist ein kerniges Männerbuch um Liebe, Drogen, Waffen, um Mord und Totschlag im heißen Mexiko, wo sich das verdammte Glück leider nicht einstellen will, weder für Quinn noch für den Leser dieses Macho Lügen Krimis ohne Spannung, dieser Liebesgeschichte ohne Liebe. Es wird geprügelt und gefickt, Ohren werden abgeschnitten, Augen ausgeschlagen, allgegenwärtig ist das Militär, über dem Buch liegt eine bleierne Ungemütlichkeit, und es liest sich wie schlechter Hemingway.