Am 28. Januar 1994 fanden die Studenten der Universität Münster an den beiden Eingängen zur Mensa am Aasee neue Schilder vor "Ausländer" stand an der einen Tür, "Deutsche" an der anderen.

Auf einem Flugblatt hieß es, ein "Arbeitskreis Deutsche Studenten" zähle deutsche und ausländische Studenten. Man wolle feststellen, welcher Anteil der Subventionen fürs Mensaessen Ausländern zugute komme.

Was sollte diese diskriminierende Erhebung? Wer steckte dahinter? Rechtsradikale?

Tatsächlich gab es gar keinen "Arbeitskreis Deutsche Studenten". Verantwortlich zeichnete vielmehr ein studentischer "Arbeitskreis Krisenexperiment", betreut von dem Munsteraner Pädagogikprofessor Hagen Kordes.

Die Gruppe wollte testen, wie ihre Kommilitonen bei einer offenkundig rassistischen Selektion reagieren. Schauen sie weg? Gucken sie zu? Oder schreiten sie ein?

Als der Arbeitskreis das Experiment nach zwei Stunden abbrach, hatten sich 95 Prozent der Studenten widerstandslos einreihen lassen. In den tags darauf publizierten Berichten ausländischer Reporter wurde prompt das Bild vom Deutschen als ewigem Nazi wachgerufen. Die deutschen Medien zeigten sich hingegen erleichtert, daß es sich um eine wissenschaftliche und nicht rechtsradikale Provokation handelte.

Inzwischen hat der "Arbeitskreis Krisenexperiment" einen "Rechenschaftsbericht" vorgelegt, in dem er die holzschnittartige Medienmeinung auf überraschende Weise differenziert. Die ZEIT redem "Rechenschaftsbericht" und dem "Szenenbuch" der Arbeitsgruppe (alle Zitate sind diesen Texten entnommen).