Von Christoph Dieckmann

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Nö, was steht denn da drin?

Meine Reisen und Konzerte. Was ich sehe, was ich denke – boy, more than you need to know!

Etliches wußten wir. Daß Michael Hurley 1941 in Bucks County/Pennsylvania das Licht der Welt willkommen hieß und unverzüglich auf Autorücksitzen rastlose Beatnik-Songs verfaßte. Daß er durch ein Outlaw-Leben wetzte, mit Folk-weirdos wie den Holy Model Rounders und Youngbloods-Gründer Jesse Colin Young. Daß er Autos reparierte, Brezeln verkaufte, auf Lastkähnen fronte, vor allem aber ständig tat, was für uns, die Geiseln großer Städte, jedes Hobo-Leben heiligt: Er verscholl.

Er verschwand im Golf von Mexiko. Er tauchte unter im Mississippi-Delta. Er ging verloren im frostigen Vermont. Die Musikwelt vergaß ihn, falls sie ihn je kannte. Uns aber, die wir seiner seßhaft gedachten, wird er kennen, der Ewige Tramp, wenn er wiederkommt an jenem Tag, da die Werke gewogen und gelesen werden, und wird fragen, ob wir schrieben über Macht, Geilheit und Beton oder über Wälder, Nacht und Mond. The werwolf / comes steppin’ alone / he don’t even break the branches / when he’s gone. Verschollen.

Erschienen, mitten in Berlin. Was soll ich gemacht haben? fragt Hurley. Jahrelang nachts in Boston Kinos gewischt? Hotelteppiche versaut mit transportablen Bierbrau-Apparaten? No. Ich wuchs auf in Pennsylvania. Wir waren fünf Kinder. Wir reisten viel. Im einen Winter inszenierte Vater Operetten in Florida, das Jahr darauf vertrieb er Industriefilter in Kalifornien. Ich mochte die Reiserei. Schule? Just the horror in the background. Ich las Kerouacs „On the Road“ und wußte: Draußen vor dem Fenster gibt’s ein Leben ohne High-School-Abschluß. Mit siebzehn trampte ich nach Mexiko. Ich kam heim und dachte: Jetzt läßt du dich nieder. Du hast alles gesehen.