Von Stephen Laufer

JOHANNESBURG. – Die besten Ehen, das bestätigt jede Dorfkupplerin, sind nicht im Himmel gemacht, sondern Verhandlungssache. Es zählt die Vernunft, nicht das Gefühl. Dennoch fragt man sich mit Blick auf die Zwangsehe, die die neue südafrikanische Regierung mit den alten Sicherheitskräften geschlossen hat, ob zu einer guten, dauerhaften Beziehung nicht auch Vertrauen, Zuneigung und gemeinsame Wertvorstellungen gehören.

Optimisten beschwören gerne die versöhnlichen Bilder von Nelson Mandelas Inauguration, als die Generale vor dem neuen Präsidenten salutierten. Skeptiker fragen dagegen, ob die erbitterten Gegner von gestern sich tatsächlich in vereint marschierende Streiter für die Demokratie verwandelt haben. Sie warnen davor, die Ziele der Erneuerung durch faule Kompromisse zu gefährden.

Schließlich waren unter den hohen Offizieren auch solche, die vor kurzem noch scharfe Wortsalven gegen den African National Congress (ANC) abgefeuert hatten. Zum Beispiel Georg Meiring, der neue und alte Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er hat Verteidigungsminister Joe Modise (ANC) gleich am Anfang einen Skandal erster Güte beschert, indem er die Gerichte im Namen des Ministers um eine einstweilige Verfügung gegen die Weekly Mail bemühte. Unserer Wochenzeitung waren brisante Informationen über die schmutzigen Geschäfte des Militärischen Geheimdienstes zugespielt worden. Es war der erste Fall einer versuchten Pressezensur im neuen Südafrika.

Der Vorfall machte deutlich, wie sehr Modise, ehedem Chef des bewaffneten ANC-Flügels Umkhonto we Sizwe, durch die Verliebtheit in sein neues Amt geblendet ist. Er sollte den Skandal als Warnung ansehen: Meiring und Konsorten sind es seit 45 Jahren gewohnt, die Geschäfte des Militärs ohne Einmischung und Aufsicht der Politiker zu besorgen.

Dabei sind Meiring und die Armee nicht, einmal das vorrangige Problem. Denn die Soldaten der SADF (South African Defence Force) haben sich durch Professionalität und Neutralität bei ihren Einsätzen als Friedenstruppe in den gewaltgeplagten Townships das Vertrauen der schwarzen Bevölkerung erworben.

Ganz andere Sorgen hat Polizeiminister Sydney Mufamadi jedoch mit seiner Truppe, deren Führung nach dem Urteil europäischer Experten nicht reformierbar ist und eigentlich abgeschafft werden müßte. Mufamadi will eine demokratische, bürgernahe, dem Rechtsstaat verpflichtete Polizei. Seit Jahrzehnten vom militanten Denken der Security Branch, der Gestapo-ähnlichen politischen Abteilung geprägt, war die South African Police (SAP) eine paramilitärische Truppe an der Frontlinie der Apartheid.