Von Rainer Frenkel

Der Wolfgangsee – Jahr für Jahr kehrt er via Bildschirm heim ins Reich. Denn hier verbringt, seit einem Vierteljahrhundert, Bundeskanzler Helmut Kohl seinen Sommerurlaub. Und um ihn sind, immer wieder, Journalisten.

In diesem Jahr war die Schar der Besucher besonders groß. Schließlich wird im Oktober ein neuer Bundestag gewählt. Auch ein neuer Kanzler?

Um das zu verhindern, reiste Kai Diekmann Mitte August nach Österreich. Er ist stellvertretender Chefredakteur der Bild- Zeitung. Und er hat sich vor Zeiten schon den Ehrentitel „Minnesänger des Kanzlers“ erschrieben. An diesem Ruf arbeitet er weiter.

Das Interview eröffnet Diekmann mit einer Etüde authentischer Journalisten-Poesie: „Der grüne Wolfgangsee gluckert, die Brombeersträucher tragen dicke, schwarze Beeren.“ Danach wird’s übersinnlich. „Herr Bundeskanzler, beten Sie wirklich jeden Tag?“ Die Antwort kann man sich denken. Auch das, was Helmut Kohl auf die anderen Stichworte zu Gott, Tod und Teufel zu sagen weiß.

Der gute Mensch vom Wolfgangsee. Wenn das nicht hilft am 16. Oktober, dem Tag der Wahl.

Wer oder was leitet Diekmann, Helmut Kohl den Raum zur Selbstdarstellung zu öffnen? Wird er, wie behauptet wird, vom Kanzleramt geführt? Nach halbstündiger Bedenkzeit entscheidet Diekmann, sich solchen Fragen nicht zu stellen. Er sagt: „Eine Geschichte, die gut ist für Sie, ist nicht gut für mich. Und umgekehrt.“ Da hat der Mann wahrscheinlich recht.