Die Sozis hatten schon immer mit dem (Vor-)Urteil zu kämpfen, sie könnten nicht mit Geld umgehen. Sozialdemokratische Finanzminister oder Stadtkämmerer, so der langjährige Makel, schütteten das staatliche Füllhorn vorzugsweise über die eigenen Wähler aus. Richtig populär wurde die Meinung, als die üblen Machenschaften bei der Neuen Heimat ruchbar wurden. Obwohl das Wohnungsunternehmen den Gewerkschaften und nicht etwa der SPD gehörte, wurden neben den Kollegen auch die unschuldigen Genossen allesamt für das Debakel in ideelle Sippenhaft genommen.

Tatsächlich galt den Sozialdemokraten Geld lange Zeit als schnöder Mammon oder als Ergebnis von Ausbeutung. Doch die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur die Yuppies unter den Mitgliedern der Umverteilungspartei sind hinter dem Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Auch ältere Genossen genießen inzwischen jenes Gefühl, das Onkel Dagobert übermannt, wenn er in die Taler taucht. Zum Beispiel Hans Matthöfer. Er wolle nur noch Geld verdienen, gibt der ehemalige Bundesfinanzminister und jetzige Chef der Gewerkschaftsholding BGAG unumwunden zu. Er scheint eine neue Heimat gefunden zu haben.

mm