Ungewohnte Konkurrenz steht dem deutschen Hotelgewerbe ins Haus. Vom 1. Dezember an will die Good Night Inn Motel Management GmbH aus dem bayerischen Krün alle drei bis vier Wochen ein Motel in Deutschland eröffnen. In Eisenach entsteht derzeit das erste Haus dieser Art, siebzehn weitere befinden sich im Bau oder in der Planungsphase. Und an weiteren Projekten scheint es keinen Mangel zu geben. „Die Investoren, darunter namhafte Personen und große Institutionen, sind voll auf unsere Idee abgefahren“, freut sich Oswald Neumann, Geschäftsführer der Projektgesellschaft. Motels, in den Vereinigten Staaten eine weit verbreitete, meist preisgünstige Unterkunft für Autoreisende, sollen damit auch im deutschen Gastgewerbe Fuß fassen. Mit einem Preis von 110 Mark pro Zimmer (Einheitsgröße: 19 Quadratmeter; die zweite Person schläft kostenlos) plazieren sich die Good Night Inns in einer bisher weitgehend vakanten Preiskategorie zwischen den zumeist wesentlich teureren Stadthotels und billigen Absteigen. Für den Betrieb der Motels, die vorwiegend in Autobahnnähe an der Peripherie großer Städte entstehen sollen, hat sich Oswald mit einem kompetenten und erfahrenen Partner verbündet: Sterling Hotels Corporation ist Betreiber einer Motelkette in den Vereinigten Staaten.

Sie gilt zwar als die älteste Rückversicherungsgesellschaft der Welt, aber bisher wußte niemand so recht etwas mit der Kölnischen Rückversicherung anzufangen. Als Versicherung für Versicherer ließ sich die „Perle des Colonia-Konzerns“ (Wirtschaftswoche) nie richtig integrieren, und als Tochter eines Erstversicherers wurde sie am internationalen Rückversicherungsmarkt nicht immer ganz ernst genommen. Jetzt scheint die Gesellschaft einen würdigeren Platz gefunden zu haben. Unter dem Dach einer neuen Holding bildet sie gemeinsam mit dem amerikanischen Rückversicherer General Re ein Joint-venture mit ehrgeizigem Ziel. Die beiden Partner – deren Prämieneinnahmen sich auf 5,1 Milliarden US-Dollar addieren – wollen künftig im Konzert der Branchenriesen (Münchener Rück: 9,1 Milliarden Dollar; Schweizer Rück: 7,6 Milliarden Dollar) eine tragende Rolle übernehmen. Peter Lütge-Bornefeld, Vorstandschef der Kölnischen Rück, freut sich schon auf ganz neue Geschäftsfelder: „Wir werden uns künftig auch um die Führung bei Risiken – Beispiel: Ölbohrplattformen – bemühen, an denen wir früher wegen fehlender Kapazität nur mal schnuppern konnten.“

Die neuen Partner scheinen sich bestens zu ergänzen. Die Kölner litten lange unter zu geringem Eigenkapital, die US-Partner gelten als weltweit kapitalstärkster Rückversicherer; General Re betreibt 85 Prozent ihrer Geschäfte in Nordamerika und ist im Lebensversicherungsgeschäft kaum vertreten, die Kölnische Rück ist dagegen traditionell weltweit tätig und in 27 Ländern mit eigenen Repräsentanzen vertreten, unter anderem in den USA mit einer eigenen Leben-Rückversicherungstochter. Freuen kann sich auch Colonia-Chef Claas Kleyboldt. Durch den Tausch in einen 49,9-Prozent-Anteil an der neuen Holding wird seine Beteiligung an der Kölnischen Rück deutlich aufgewertet. Als Gegenleistung für den 66-Prozent-Anteil der Colonia-Gruppe an der Kölnischen Rück zahlen die US-Partner 1,35 Milliarden Mark in die Holding-Kasse. Damit wird die Kölnische Rück, deren Börsenwert derzeit bei rund 1,1 Milliarden Mark liegt, von den Amerikanern mit 2,1 Milliarden Mark angesetzt.

Mehr als 33 Jahre lang führte Roland „Tiny“ Rowland den britischen Mischkonzern Lonrho wie ein Privatunternehmen. Am Freitag vergangener Woche versuchte der deutsche Großaktionär und Kogeschäftsleiter Dieter Bock in einer Verwaltungsratssitzung, Rowlands Einfluß in der Führung der Gesellschaft zu untergraben. Durch Indiskretionen wurde zuvor bekannt, daß Rowland die Gesellschaft jährlich etwa 5,5 Millionen Pfund Sterling kostet. Doch die Attacke schlug fehl. Jetzt dreht Rowland den Spieß um. Er wolle den Einfluß des Frankfurter Immobilienunternehmers Bock auf das Geschehen neutralisieren, kündigte Rowland in einem Interview mit der Zeitung Independent an. Bock, bislang mit 18,8 Prozent an Lonrho beteiligt, besitzt eine Option auf den Erwerb von weiteren 6,5 Prozent der Lonrho-Aktien, die derzeit noch von Rowland gehalten werden. Wenn Bock die Kaufoption ausübt, will Rowland mit seinem Privatvermögen Lonrho-Aktien über die Börse zurückkaufen. Während Bock noch auf einem Schuldenberg aus der Finanzierung der ersten Lonrho-Beteiligung sitze, stünden ihm dafür dann 220 Millionen Pfund zur Verfügung. Rowland: „Wenn ich es nicht in meinem Alter tue, wann sonst?“ Rowland ist 76 Jahre alt.

Erneut zur Kasse bitten will die Metallgesellschaft (MG) ihre arg gebeutelten Aktionäre. Alle bereits erfolgten und noch geplanten Firmen- und Immobilienverkäufe reichen offenbar nicht aus, um dem im Frühjahr durch fehlgeschlagene Ölspekulationen der US-Tochter MG Corp. in arge Bedrängnis geratenen Konzern eine solide Kapitalbasis zu verschaffen. Eine erneute Kapitalerhöhung solle die Löcher stopfen. Allein für die Auflösung der Verträge mit der amerikanischen Raffinerie-Gesellschaft Castle Energy muß MG-Sanierer Kajo Neukirchen „deutlich mehr“ als eine Milliarde Mark bereitstellen. Die US-Tochter hatte sich verpflichtet, die gesamte Produktion von zwei Raffinerien der Castle Energy bis zum Jahr 2000 abzunehmen – zu überhöhten Preisen, wie sich bald herausstellte. Immerhin stimmte der MG-Aufsichtsrat am vergangenen Montag einer Grundsatzvereinbarung über den Verkauf des Frankfurter MG-Verwaltungsgebäudes zu, der dem Unternehmen rund 700 Millionen Mark in die Kassen spülen soll. Auch für den beabsichtigten Verkauf der MG-Beteiligung an dem Autozulieferer Kolbenschmidt sei „eine Lösung näher gerückt“, ließ Neukirchen nach der AR-Sitzung verlauten. Nach Investoren wird allerdings noch gefahndet. Nachdem die Übernahmeverhandlungen mit einem amerikanischen Interessenten, dem Autozulieferer Dana, kürzlich geplatzt sind, wird nun auch ein Verkauf der Kolbenschmidt-Aktien über die Börse erwogen. Deren Wert wird auf 250 Millionen Mark geschätzt.

Die durch ein Spiegel-Interview Edzard Reuters aufgekommenen Spekulationen über ein Interesse des Daimler-Chefs am Amt des Regierenden .. Bürgermeisters von Berlin haben im Stuttgarter Automobilkonzern für erhebliche Irritationen gesorgt. Nicht zuletzt bei Reuter selbst. Der 66jährige, der nach der Hauptversammlung 1995 in Pension geht, will seine Bereitschaft, danach ein politisches Amt zu übernehmen, nicht primär auf die Hauptstadt beschränkt sehen. SPD-Mitglied Reuter kann in Bonn zur Zeit weder eine überzeugende Außen- noch Wirtschaftspolitik erkennen. Ein Wechsel in die Politik sei allerdings nur in einem Führungsnotstand vorstellbar, in dem ein vom Bonner Parteienhader unbelasteter Fachmann gefragt sein könnte. Damit aber liegt die Latte so hoch, daß allen Reuter-Spekulationen eigentlich die Basis fehlt. Wahrscheinlicher ist, daß der Daimler-Chef zusätzlich zu dem Aufsichtsratsvorsitz bei Airbus Industrie dieses Amt auch bei Daimler-Benz übernehmen wird. Mit dem derzeitigen Chefkontrolleur Hilmar Kopper, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, ist sich Reuter über den Wechsel an der AR-Spitze seit längerem einig. Allerdings möchte Kopper seinen Rückzug zugunsten Reuters erst im Vorfeld der nächsten Hauptversammlung bekanntgeben, in der dieser in den Aufsichtsrat gewählt werden müßte. Bis dahin dürften die jüngsten positiven Konzernergebnisse Reuters Kandidatur den erhofften Schub geben: Der in der vergangenen Woche bekanntgegebene Halbjahresbericht weist einen auf 462 Millionen Mark gestiegenen Vorsteuer-Gewinn (in den ersten sechs Monaten 1993 wares es 168 Millionen) aus.

Wolfgang Köhler