Vor fast sechzig Jahren hat der Photograph Paul Outerbridge Jr. (1896 bis 1958, Sohn reicher Eltern, Starphotograph aus Langeweile, Übersetzer des Art deco in die Moderne, Zeitgenosse Duchamps, Verfechter des Akts als Ready-made, dies aber möglicherweise unbewußt) das Modell für seine „Nackte im Bad“ für drei Aufnahmen mit unterschiedlichen Farbfiltern eingefroren; heute wirkt die Starre von Modell und Dekoration beunruhigend kalt. Der derzeit übliche direkte Angriff auf die Erektionsmechanik des männlichen Betrachters, hormonfluß-, also verkaufsfördernd, bleibt aus.

Der Photograph Outerbridge war eher penibler Bastler als grenzensprengender Großkünstler. Seine Modelle stehen traurig an güldene Bilderrahmen gelehnt oder liegen auf faltigem Stoff; das Handtuch ist ein beliebtes Accessoire, aber auch schwülroter Fin-desiècle-Samt. Zwei Eier vor einem Kegel („Bewußtsein“, ca. 1931) gehören ebenso zu seinem Œuvre wie die sich auf blauem Grunde zwischen weißen Blumen hinwellende Rolle zarten Toilettenpapiers. Was auf dieser und der folgenden Seite nur Schwarzweiß gezeigt werden kann, ist im Farboriginal abgebildet in: „Paul Outerbridge Jr.: Photographien“ (Schirmer/Mosel, München 1993; 96 S., 48,– DM). Ein kleiner Materialienband zur Geschichte von photographischem Kunstgewerbe und Erotik. rod