Von Jochen Paulus

Im Bonner Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird gestritten: Soll ausgerechnet die große Öko-Organisation mit der Frankfurter Plastikschüsselfirma Tupperware zusammenarbeiten? Anlaß der heftig geführten Auseinandersetzung ist eine gemeinsame Aktion zur Reduzierung des Verpackungsmülls. Statt sich den Käse im Supermarkt eintüten zu lassen, soll der umweltbewußte Kunde ein mitgebrachtes Gefäß auf die Theke stellen, in das die Verkäuferin die Scheiben legt. So schlägt es eine vom BUND formulierte und von Tupperware finanzierte Broschüre vor.

Die 55 000 Mitarbeiterinnen des Plastikunternehmens brachten innerhalb von vier Wochen bei ungezählten Tupperparties 800 000 Broschüren an die Frau, den Rest verschickte der BUND an seine 200 000 Mitglieder. So wurden eine Million Broschüren verteilt, ohne daß die Ortsgruppen der Umweltorganisation sich rühren mußten. „Mehr kann man sich als Marketingfritze wirklich nicht wünschen“, sagt Andreas Fußer, der beim BUND den Kontakt zur Wirtschaft pflegt.

Der BUND tausche „lediglich ein Übel gegen ein anderes aus“, kritisiert nun aber Christel Matthias vom Landesvorstand Nordrhein-Westfalen die Aktion. Beate Seitz-Weinzierl, die Sprecherin des BUND-Arbeitskreises Umweltethik, ergänzt, „phantasievolle Menschen“ hätten doch längst Alternativen zum schnöden Plastikbehälter gefunden, zum Beispiel „schöne, wiederverwendbare Gläser, hübsche Keramiktöpfe, Leinensäckchen zum Aufhängen..“

Andreas Fußer stellt sich das Einkaufen mit Keramiktöpfen jedoch schwierig vor: „Macht ihr das auch mit dem Fahrrad, oder fahrt ihr mit dem Landrover vor?“ hat er sich erkundigt. Und provozierend hinzugefügt: „Kunststoffvermeidung geht nur mit Kunststoff.“

Auch der Leiter der BUND-Abfallvermeidungskampagne, Olaf Brandt, müht sich, den Mitgliedern das ungeliebte Plastik nahezubringen. Tupperware enthalte keine giftigen Schwermetalle und werde eines Tages recycelt.

Das Plastikimperium hatte schon voriges Jahr von Alternativwissenschaftlern untersuchen lassen, wieviel Kunststoff bei Verwendung seiner Boxen eingespart werden kann. Das Berliner Institut für ökologisches Recycling schickte zwei Familien mit und ohne Tupperware zum „Food Shopping“ und wog hinterher die mitgebrachten Folien. Aus den Ergebnissen rechnete das Institut kurz entschlossen hoch, daß sich in Deutschland jedes Jahr 500 000 Tonnen Verpackungsmüll vermeiden ließen.