Sind Hochglanzreisekataloge bald Schnee von gestern? Eine Studie wagt die Prognose, daß die Papierflut bald abebben und Computermedien weichen wird. Der Kunde soll am Bildschirm zu Hause nicht nur „blättern“, sondern auch gleich buchen.

Winterkataloge mit einem Umfang von 3000 Seiten hat allein der Branchenführer TUI auf die Verkaufstresen der Reisebüros gewuchtet. Insgesamt überschwemmt der Konzern aus Hannover die Agenturen jährlich mit 31 Millionen Katalogen. Beim Frankfurter Konkurrenten DER (10,2 Millionen Broschüren, 1,5 Millionen Kunden) kommt nur auf jedes siebte gedruckte Exemplar eine verkaufte Reise. „Kataloge sind auch die Visitenkarte eines Veranstalters und einer der teuersten Etatposten in unserem Haus“, sagt DER-Pressesprecher Marco Dadomo.

Die Frankfurter Werbeagentur Adplus prophezeit den Hochglanzbroschüren in ihrer Studie „Reisekatalog der Zukunft“ eine düstere Zukunft. Der Autor Michael A. Schmidt meint, daß der Katalog bald nur noch in bestimmten Marktnischen eine Chance habe. Die Zukunft, so Schmidt, liege in der Information und im Verkauf mit Hilfe moderner Computer- und Kommunikationstechnik.

Dabei gilt die Vergabe von Computerdisketten anstelle vierfarbiger Broschüren an die Kunden dem Autor der Studie schon als „konservative Lösung“. Dieses System, das dem herkömmlichen Reisekatalog noch am nächsten kommt, wird heute bereits von Firmen bei der Erstellung von Hotelführern oder auch Fahrplänen genutzt. Es ist nicht „interaktiv“ – die potentiellen Kunden können also bei diesem System nicht vom Heimcomputer aus buchen, sondern nur „blättern“.

Daneben entwirft Schmidt auch ein Szenario, dem er den Namen „Intrans“ (Intelligent Travel Network System) gab. Zugleich ließ die Werbeagentur den Begriff für ihren Kunden, das Start-Buchungssystem, das heute für die meisten Buchungen in deutschen Reisebüros genutzt wird, markenrechtlich schützen.

Bei „Intrans“ erhält der Kunde an seinem Heimcomputer über Datenautobahnen Zugriff auf Reiseangebote aus aller Welt. Mit Hilfe von dreidimensionalem Fernsehen sollen die potentiellen Urlaubsziele schon vor der Buchung als künstliche Räume im Wohnzimmer entstehen. Cyberspace läßt grüßen.

Die schöne neue Reisewelt wird – anders als die heutigen Kataloge – nicht mehr nur nach bestimmten Zielgebieten geordnet sein. Statt dessen kann der Interessent sich etwa alle Regionen auflisten lassen, wo im Februar das Wasser 24 Grad warm ist oder im August Opernfestivals stattfinden.