Sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt streiken die Investoren – abzulesen an den extrem niedrigen Umsätzen. Die Folge: Der Deutsche Aktienindex (Dax), in den Vorwochen noch auf Rekordkurs, ist wieder deutlich unter die Marke von 2200 gerutscht. Am Rentenmarkt steigen die Zinsen. Sie haben inzwischen ihren höchsten Stand seit Dezember 1992 erreicht: Von der Rentenhausse des vergangenen Jahres ist demnach nichts mehr übriggeblieben.

Selbst wenn sich die Bundesbank trotz der anziehenden Konjunktur in der Lage sehen sollte, nach der Bundestagswahl die Leitzinsen zu senken, wird ein Rückgang der Kapitalmarktzinsen kaum noch erwartet. Entsprechend wird disponiert. Die Situation würde sich nur ändern, falls die Ausländer wie in den vergangenen Jahren deutsche Anleihen aufnehmen. Im Augenblick verkaufen sie jedoch lieber DM-Papiere.

Die zentrale Frage lautet: Können deutsche Aktienkurse auch bei steigenden Zinsen nach oben klettern? Reichen dazu die positiven Unternehmensberichte? Ein großer Teil der Börsianer verweist darauf, daß die rückläufigen Arbeitslosenzahlen, die steigenden Auftragseingänge, jetzt auch aus dem Inland, und die in Westdeutschland wieder anziehende Baukonjunktur den Übergang von der liquiditätsgetriebenen Hausse in eine von steigenden Unternehmensgewinnen getragene Aufwärtsbewegung der Börsenkurse erleichtert.

Bei den Bank- und Versicherungsaktien allerdings sind die Ansätze zu einer Aufholbewegung wieder verlorengegangen. Ein Teil des Kreditgewerbes wird zudem durch die bei der Metallgesellschaft fällig gewordene Nachsanierung belastet. Der Kurs der Metallgesellschaft, der sich zwischenzeitlich etwas erholt hatte, fiel in die Nähe seines bisherigen Tiefstkurses. Zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, es werde seine Aktionäre demnächst erneut mit einer Kapitalerhöhung zur Kasse bitten.

Trotz des schwachen Dollar erweisen sich die Autoaktien als vergleichsweise widerstandsfähig. Pkw-Produktion und Absatz steigen, die Branche hat offensichtlich ihren Tiefpunkt überwunden. Der Daimler-Kurs, der noch immer unter seinem Jahresultimostand liegt (während BMW und VW kräftig gestiegen sind), wird neuerdings durch vorsichtige Kaufaufträge aus dem Ausland abgesichert.

Als einigermaßen stabil erweisen sich die Versorgungswerte. Der Grund: Der Stromverbrauch steigt, und es besteht die berechtigte Aussicht, daß die Beteiligungsgesellschaften von RWE, Veba und Viag im Bau- und Chemiebereich die Konzernergebnisse verschönen werden. K. W.