Von Bartholomäus Grill

Berlin

Cocktailabend in Tuynhuys, im Kapstädter Amtssitz von Präsident Nelson Mandela. Das Kabinett läßt die Gläser klingen. Am Rande steht Alfred Nzo und lacht. Ja, sagt der südafrikanische Außenminister, der Konferenzort Berlin sei mit „gewissen Erinnerungen“ verbunden.

Genau 110 Jahre ist es her, da trafen sich in der deutschen Reichshauptstadt die Kolonialmächte, um Afrika wie eine Schokotorte unter sich aufzuteilen. Ein gewisser Bismarck eröffnete 1884 im Reichskanzleramt die „Kongo-Konferenz“. Der Kanzler drückte die Hoffnung aus, daß der „Conferenz eine weitere Zunahme des Friedens und Wohlwollens unter den Nationen“ folgen möge.

Fünf Tage nach dem Cocktailabend in Kapstadt sitzt Alfred Nzo im Plenarsaal des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude und hört Klaus Kinkel reden. Der deutsche Vizekanzler und Außenminister eröffnet soeben die Konferenz der Europäischen Union und der Staaten des südlichen Afrika, die sich zur Southern African Development Community (SADC) vereinigt haben: „Der Dialog zwischen unseren beiden Regionen soll Frieden und Stabilität im südlichen Afrika sichern“, sagt Kinkel und schwärmt am Ende von der „schönen und historischen Stadt Berlin“.

Im Rückblick auf die europäische Kolonialgeschichte war Berlin als Schauplatz einer Afrika-Konferenz im Jahre 1994 eine recht delikate Wahl. Es traf sich auch ganz gut, daß Deutschland gerade die EU-Präsidentschaft übernommen hatte, die Konferenz leitete und in Abwesenheit maßgeblicher Franzosen den Ton angab. Zum Glück aber verhallt im großen Haus Europa das großmächtige Raunen der deutschen Außenpolitik.

Außerdem ist da, wo Kinkel derzeit auftritt, immer auch Wahlkampf. Es war schließlich seine Idee, Europäer und Afrikaner („unsere Nachbarn“) zusammenzuführen. Und wenn er beteuert: „Wir kümmern uns um Afrika“, dann klingt das ein bißchen wie: „Da sage noch einer, die FDP hätte kein Herz für die Schlechterverdienenden.“